Freitag, 22. Februar 2008

Von HipHoppern und anderen Idealisten

nach zwei tagen fachgruppensitzung, dezentralisierung und kommunale entwicklungsplaene auf franzoesisch - was fuer ein spass-, viel kaffee mit milchpulver, klimaanlage und unbequemen holzstuehlen sowie lautstarken diskussionen von seiten der kollegen, habe ich mir gestern abend eine kleine auszeit im ccf (centre culturel français) gegoennt. wobei gegoennt schon zu viel gesagt ist, ich war eh dort, weil ich seit wochen mal wieder bei meinem sprachkurs war und bin dann im anschluss gleich da geblieben. es wurde proudly presented ein hiphop-tanz-deluxe konzert auf einer art amphitheaterbuehne mit massig zuschauern. diese waren vor allem jung, stylish (gangsta, ey) und laut, was zum einen daran liegen mag, dass grade schulferien in benin sind und eben an der musik an sich (wobei ich den eindruck habe, dass das schon so DIE musik schlecht hin ist....). nach anfaenglichen orientierungsproblemen (handyakku leer und keiner da, der da sein wollte) wurde es dann doch ganz nett, als ich mit meinen neuen nachbarn (libanese und franzoesin, zufaellig getroffen) und marc, zufaellig gefunden, auf den plastikstuehlen (!! und die wollen party machen... indem sie ewig die stuhlreihen aufstellen) niederliess und dem bunten treiben folgte. neben einem unglaublich gutgelauntem moderator (was hatten sie dem blos gegeben?) traten unterschiedlichste gruppen auf. das ganze glich eher einer grossen schulveranstaltung, nach dem motto "jeder der mag, darf auch mal". am anfang gab es eine tanzgruppe der "cotonou dance school" die eine mischung aus breakdance und weiss-nicht-was zeigten, nicht perfekt aber schon ganz ordentlich. danach folgten lauter rappergruppen, die mal mit mehr oder weniger gutem playback ihr koennen zum besten gaben, darunter auch wieder auffallend junge leute, die sich zum teil vorher auf ateliers getroffen hatten und jetzt ihre ergebnisse zeigten. zwischendurch gab es dann auch mal recht professionel anmutende beitraege, die waren allerdings sehr kurz und hatten als einzigen inahlt "yo, wenn ihr mehr von uns sehen wollt, dann kommt am samstag zum palais de congress..." es scheint also am wochenende die veranstaltung mit den bekannteren groessen zu geben, die kommen sogar aus kamerun und dem senegal. was ich aber doch nachtraeglich ziemlich gut fand, war die eine gruppe, die auf ihrem atelier einen song gemacht hatte, der -zugegeben ziemlich schraeg vorgetragen- im refrain immer wiederholte "was sind meine rechte, ich muss das wissen..." der kleine hiphopper beschaeftigt sich mit seinen staatsbuergerlichen pflichten... eigentlich nicht doof, denn die mengen waren begeistert und konnten den text. die frage, wie schaffe ich es, die jugendlichen fuer politische themen zu sensibilisieren scheint auf einmal gar nicht mehr so schwer zu beantworten... zwar stelle ich es mir ein bisschen komisch vor, wenn ich jetzt versuche, dass dscrp oder die kommunalen entwicklungsplaene in einen rap umzuwandeln und das dann bei veranstaltungen vorzutragen... aber sich mit den jugendlichen bei solchen ateliers zusammen zusetzen und mit ihnen zu ueberlgen, wie man diese schwerfaelligen themen aufbereiten kann finde ich im grunde ziemlich gut.... yo, la pauvreté c'est pas ton destin... wir hoeren uns ;)

Donnerstag, 14. Februar 2008

Paludisme, sinusite maxillam et frontale

So zumindest die Diagnose von Dr. Akim aus der Klinik, in die ich letzten Samstag mal gegangen bin. Eigentlich ging es mir Freitag, also der Tag, wo wir in Aplahoué waren, schon nicht besonders, aber das habe ich mal auf das schwach gebratene Omlette mit dem leicht feuchten Brot geschoben... und da wir morgens drei Stunden mit geöffneten Fenstern über Land gefahren waren, fand ich meine Halsschmerzen auch nicht so verwunderlich... und als ich dann abends so ein kleines bisschen Fieber hatte, lag das für mich auch an dem stressigen tag...
leider wurde es dann aber auch samstag nicht besser und das fieber wechselte sich mit schüttelfrost ab und stieg auf über 39°...da haben wir dann mal in überlegt, in die klinik zu fahren, sicher ist sicher. und sicherheitshalber hat elisabeth dann auch gleich einen test gemacht, wenn man schonmal da ist, und siehe da, zwei stunden später hatten wir die ergebnisse und sie waren double-positiv... elisabeth hatte sogar noch mehr von diesen bösen plasmodien-dingern im blut als ich, dabei ging es mir eigentlich viel schlechter... der test ging eh ganz schnell, einmal finger piecksen, bisschen blut quetschen, dann eben wieder nach hause und zwei stunden später... es war mittlerweile 22h durch, wieder dahin... ich dachte mir, da ich so besch**** kopfschmerzen hatte, und das nicht alles auf die malaria schieben wollte, ich könnte mich ja, wenn ich eh schonmal da bin, auch eben durchchecken lassen... nach der obligatorischen wartezeit war ich dann also beim doktor, mit dem ich mithilfe meines wörterbuches kommunizierte... sehr nett, aber es hat wohl geklappt... er hat mir dann einen wust an medikamenten aufgeschrieben, die ich nun brav nehme, beziehungsweise genommen habe.... und so langsam geht es besser. außer natürlich, dass die antibiotika wieder irgendwelche nebenwirkungen haben, die ich dann bestimmt wieder mit anderen behandeln kann, bis ich total im eimer bin.
ja, also das zu meiner gesundheitlichen verfassung und dem grund, warum ich nicht so viel schreibe bzw. geschrieben habe... aber so viel spannendes ist eben auch nicht passiert, wenn man den ganzen tag medikamente in sich reinstopft und schläft und schwitzt... und unter einem die baustelle schlechthin tobt... jetzt haben sie angefangen, das bad in dieser whg hier auch aufzuschlagen, wenn man eben schon mal da ist, dann kann man das ja auch gleich mal machen...
ein paar worte zum ausflug aufs terrain, war ganz nett, aber ich glaube, es ist nicht angekommen, was hätte ankommen sollen... das muss besser werden... ich hoffe nur, dass ich nicht von jedem ausflug, den ich ins grüne mache, eine krankheit mitbringe... lariam nehme ich jetzt nicht mehr, also wenn noch jemand 6 tabletten braucht, ich hätte die durchaus noch über. ist sogar orginal qualität. hat nur nichts gebracht.

Donnerstag, 31. Januar 2008

déménager

ich bin nicht mehr im gaestehaus, erste neuigkeit. allerdings auch noch nicht in einer eigenen wohnung. die erste wieder relativierende neuigkeit. dank drei verschiedenen Sitzungen von ded Togo/Benin ist das Gaestehaus total voll und ich bin zu elisabeth und freund gezogen, die seit gut zwei wochen in ihrer whg wohnen, und, das ist dann doch ne neuigkeit, unter denen eine whg frei wird, die ich aller wahrscheinlichkeit nach haben kann... leider ist das mit dem wann noch so eine imraumstehende frage, denn das appartment-haus gehoert dem ministerium, und behoerden-muehlen mahlen bekanntlich nicht besonders schnell... dazu kommt, dass es in der whg eine art wasserrohrbruch gegeben haben muss (die wand im bad und die des zimmers daneben sowie die whg unten drunter ist nass), den ich gerne vorher repariert haette. das muss das ministerium aber machen, denn die sind das auch schuld, da sie vor ein paar monaten das bad neu gemacht haben und dabei wohl ein bisschen zu heftig die wandaufgeschlagen haben... und das jetzt eben nochmal machen muessen.

das Haus steht in mitten eines riesigen gartens, in dem neben ganz viel muell auch pfaue, ein kaputter trabbi, kleine zottelige klaeffer und hohe palmen stehen. das quartier nennt sich "zone residentiell" und in der nachbarschaft ist die deutsche botschaft, die ded-chefin und viele andere villen hinter hohen mauern. das haus ist dahingehend eine ruehmliche ausnahme. es ist alt (hohe decken, seltsame leitungen ueberall, kaputte lampen... eben schoen alt), von aussen pink, von innen vanille, jede whg hat einen tollen balkon (mit das tollste), wandschraenke (die erfindung schlecht hin), eine grosse kueche und und und... ich bin eigentlich bis auf das wasser in der wand hell auf begeistert... habe in dieser begeisterung auch gleich mal von der jetzigen bewohnerin (zieht heute aus) den kuehlschrank, wasserfilter und terassenmoebilierung gekauft, in der hoffnung, dass ich bald dort einziehen kann. zwar ist es bei elisabeth sehr schoen, ist ja auch die gleiche whg nur eine etage hoeher, aber ist eben ein bisschen eng fuer drei, vor allem, wenn ich meinen so langsam entstehenden hausstand mit unter bringen will...

seit zwei tagen gibt es auch kein wasser, was aber nicht schlimm ist, da es eimer gibt, und das wasser nur in der whg nicht geht... und zwar, weil die pumpe kaputt sein soll, die das wasser hochpumpt, komisch nur, dass sie nicht mehr geht, seitdem der handwerker da war, um sie zu warten...und jetzt soll eine neue her, fuer 175 000, auch komisch.

bis auf weiteres schlafe ich also in meinem moskitozelt im durchgangszimmer und hoffe auf baldige situationsaenderung... ansonsten ziehe ich doch noch fuer ein paar wochen an den strand, da ist noch ein nettes zimmer frei...



meine erste konferenz erfahrung habe ich auch mehr oder eher weniger erfolgreich hinter mich gebracht. wenn es mehr erfolgreich gewesen waere, dann wuerde ich jetzt nicht diesen eintrag schreiben sondern wieder in dem voll-klimatisierten saal sitzen und andaechtig lauschen aber nichts verstehen.... gestern waren martin, mein kollege, und ich da, fein herausgeputzt, die einzigen yovos bei einer konferenz zum thema "control citoyen" mit vertretern 13 west- und zentralafrikanischer Staaten (senegal,mauretanien, mali, burkina, niger, côte d'ivoire, togo, benin, kamerun, drc, congo-brazaville, rwanda und burundi) und ner handvoll beninischer offizieller.... leider hatte ich den ersten tag verpasst, da ich auf der rueckreise war, und am mittwoch sind wir dann gleich mal ein bisschen zu spaet gekommen (dabei dachte ich, es herrscht die african time...). es gab eine flut von powerpoint, ziemlich schlecht, und es wurde dann nur vorgelesen, was auf den folien stand.... kurioser waren allerdings die spontanen sing-einlagen der teilnehmer, das konterfei eines 56 jaehrigen geburtstagskindes auf den ausgeteilten wasserflaschen, die staendigen witzeleien (die ich nicht verstanden habe...), das ungenierte einschlafen der teilnehmer aus togo, mauretanien und drc, das staendige handygebimmel und das sofortige drangehen (oui, allô? je suis dans une réunion....), die vor dem konferenzsaal aufgelaufenen fliegenden haendler mit gebrannten dvds, klamotten und prepaid-karten, die bei vielen reissenden absatz fanden sowie die tatsache, dass wir staendig aus allen richtungen fotographiert wurden und diese fotos dann draussen zum verkauf auf einem tisch lagen.... es hatte ganz leicht den nachgeschmack einer verkaufsveranstaltung.
nun ja, die begeisterung fuer all das neue hielt nicht wirklich an, wir sind dann mal ziemlich zuegig wieder gegangen, haben vor dem mittagessen noch eine giftige schlange enthauptet (aehm, die war an der wand von martins haus, und da wir alle nicht wussten, was man mit der jetzt macht, haben wir hilfe geholt, und die hilfe hat sich dann nochmal hilfe geholt und dann haben sie dem gruenen ding auf den kopf geschlagen, bis der matsch war und dann musste martin diesen kopf vor dem garten tor noch mit der heckenschere abschneiden.... danach gab es dann lekker buletten) und am nachmittag der buero-arbeit gefroent. also er... ich nicht wirklich ;)
aber naechste woche geht es wirklich los, da soll ich zusammen mit martin und elisabeth und didier (ProDOSC Sud, Demokratiefoerderung) aufs "terrain", ein dorf in der naehe der togoischen grenze, noerdlich von lokossa, um dort eine art tag der offenen tuer zu organiseren, wo die beiden programme (ProDosc und SCRP-Suivi) vorgestellt werden sollen, damit sich mehr foerderungswillige ongs finden lassen. eigentlich ist die idee des ded, dass organisationen beim ded anfragen, ob man sie nicht bei einem vorhaben unterstuetzen will, dann wird das geprueft und dann wird, mit eigenanteil der ongs, unterstuetzt. leider koennen die ongs auf dem land ja nicht riechen, dass es den ded gibt und der auch noch programme hat, mit denen er sie foerdern wuerde, wenn sie es denn nur wuessten, so dass sich so langsam die idee verbreitet, man koenne ja ein bisschen werbung machen, anstatt zu warten, dass die ongs kommen...
ich bin mal sehr gespannt, da ich bei der hier ansaessigen donor-vielfalt eigentlich davon ausgehe, dass die ongs waehlen koennen, wer ihnen das beste angebot macht, ergo das "leistungspaket" des ded, der ja eigentlich kein geld sondern nur expertise geben will, gut geschnuert sein muss, sonst fragen die ongs gar nicht erst weiter nach... das faengt damit an, dass es bei so einem "atelier"=workshop=infotag aufjedenfall was zu essen und trinken geben muss, sonst kommen deutlich weniger leute...

Freitag, 25. Januar 2008

auf reisen...

... gewesen, muss es leider heissen, denn ich bin schon wieder zurueck in den cotonouer staub-abgas-dreck. Samstag bis Dienstag haben wir, dass heisst meine Vorbereitungsgruppe Elisabeth, Arnaud, Marc (+Hund) und ich, eine kleine verordnete Dienstreise nach Parakou (bis Montag mittag) und dann zurueck ueber Abomey/Bohicon, gemacht.
Kurzgesagt: es war toll. Vor allem deshalb, weil man einfach mal rausgekommen ist und was gesehen hat! Es gibt leider tatsaechlich auch im Rest von Benin grad ziemlich viel staub, aber ausserhalb von cotonou dann auch mal blauen himmel... Die Fahrt nach Parakou meisterten wir in 9 Stunden, zu fuenft plus hund in meinem fussbereich. Dank mehrerer Pausen an kleinen Buvettes, die irgendwie doch auch alle nur den gleichen Pat, Piment und Reis hatten, sowie lauter musik und offenen Fenstern war es eine witzige fahrt, die auch irgendwo auf einer landstrasse in europa haette sein koennen. die strassenverhaeltnisse sind ab bohicon, was allein die qualitaet der strasse angeht, bestens. es gab auch wieder die obligatorisch erscheinende mautstation. was allerdings die fahrweise der beniner, und vor allem der yovos in den grossen autos mit den getoenten scheiben, angeht, kann man durchaus von katastrophal sprechen. es wird gedraengelt, ueberholt, gebremst, wie man will und das bei einem hohen verkehrsaufkommen mit besonders vielen LKWs, die um mindestens das doppelte ihrer normalen hoehe mit baumwolle, kohle oder anderen im norden zu bekommenden guetern beladen sind. dazwischen rasen dann noch reisebusse, die entweder von cotonou nach niamey oder umgekehrt fahren, an einem vorbei, obwohl man selber bergan (!) 120km/h faehrt... und dann wundert man sich auch eigentlich nicht, dass in besonders tollen kurven, senken, steigungen, links und rechts der strasse ausgebrannte oder umgekippte LKWs, Busse und PKWs liegen.
Nun gut, wir haben es, dank moderater Fahrweise geschafft, heile nach Parakou zu kommen. Dort sind wir bei einer Kollegin, die grad nicht da war, untergekommen. Gleich vorweg, Parakou ist eine tolle Stadt. Leider habe ich im laufe der letzten Wochen gemerkt, dass viele Staedte, im Vergleich zu Cotonou, toll sind. Es ist weitlaeufig, huegelig, blau-himmelig und freundlich. mit gut 150 000 Einwohnern auch einfach viel kleiner als Cotonou, aber eben genau richtig. man bekommt alles, was man auch in cotonou bekommt, es gibt einen echt tollen markt und wenn man will, ist man in 10 minuten in der natur. das haben wir am sonntag auch gemacht, sind zu einem kloster in der naehe gefahren und da ein paar stunden spazieren gegangen... seit langem mal wieder idyllische ruhe. die klosterschwestern sind nicht untaetig, sie haben einen kleinen kloster-shop in dem man saefte, crems, marmeladen, buecher, yoghurt, kerzen... aus eigenem anbau kaufen kann. sehr genial, ananas-papaya-mango saft... und guaven-marmelade...
abends waren wir dann in einem restaurant, das frueher mal das haus eines Entwicklungshelfers und das DED-Gaestehaus gewesen ist... ein riesiges mehrstoeckiges gruen-weiss-gestrichenes Baumhaus!! irgendwie waren die EHler in den siebzigern mir symphatischer...
Am montag haben wir uns vormittags das Buero in Parakou angeschaut und gegen Mittag sind wir dann nach Bohicon aufgebrochen... der Rueckweg wurde eine einzige Einkaufstour, da im Norden irgendwie alles guenstiger ist als im Sueden, also zenn man einheimische Produkte haben moechte, die nicht ueber den Hafen aus Europa kommen. So war das Auto dann vollgepackt mit Kisten aus dem Klostershop, Peul-Kaese (der Kaese ersatz schlecht hin), einem hqlben Ananas-Feld, Papaya, Tapioka (soll man mit Pudding machen koennen, ich werde es testen), Tomaten, Bananen, Kokosnuesen, Erdnuessen, cashewnuessen, mini-maniok-stampfern.... unser wagen sah nicht viel anders aus als die autos, die sonst richtung sueden fahren... und war auch leider so voll, das wir regelmeassig auf bordsteinen und anderen strassenbegrenzungen aufsetzten,; wenn wir diese zu ueberqueren versuchten...
abomey, wo wir gewohnt haben, und bohicon, wo ein weiteres ded-buero ist, liegen gqnz dicht beieinander, gut 200 km entfernt von Cotonou Richtung Nord-westen. Abomey war die Hauptstadt des ehemaligen Koenigreiches Dahomey und ist voll von alten Palaesten, Tempeln, "historical sites" eben. Leider waren wir von der Fahrt alle ein bisschen verkatert, weshalb wir uns nicht total ins kulturelle Leben geschmissen haben (es aber einandermal sicher nochmal machen werden). Nach der Ankunft am Montag abend, sind die beiden Jungs krank im Haus von Morvan, dem ansaessigen EHler, geblieben, waehrend Elisabeth, Morvan, Hund und ich uns in ein uriges Restaurant begeben haben, und das zu fuss. ich war noch nachtraeglich total begeistert, dass man im dunkeln durch verlassene feldwege gehen kann ohne auch nur den anflug von angst zu haben. tja, wieder ein nullpunkt fuer cotonou. dieses restaurant hat einen riesigen garten in dem riesige baeume stehen und ueberall verstreut kleine paillottes (gartenhuetten mit strohdach, an den seiten offen), wo man auf alten sofas seine getraenke/essen dann einnimmt. im hinteren bereich residiert eine alte beninerin, monique, der das alles gehoert und die nicht nur ueberall tiere hat, sondern auch noch kunsthandwerk im garten und auf ihrer terasse verteilt. darunter geschnitzte holzstuehle, deren lehne bestimmt 2,50m lang ist... kurios.
die beiden staedte, ich fasse mal verallgemeindernd zusammen, waren echt nett, beschaulich, entspannt.... und auch hier gilt wieder, man bekommt genau das, was man auch in cotonou bekommt, nur nicht in hundertfacher ausfuehrung...
nachdem wir uns dienstag frueh das buero angeschaut haben, ging es auch schon wieder richtung cotonou. mit diversen zwischenstopps waren wir nach fuenf stunden dann auch da... die strecke universitaet calavi - cotonou, luftlinie 25km, hat einfach immer stau und laesst einen da gerne schonmal ne stunde oder mehr stehen/fahren.

warum wir allerdings nicht noch weiter in den norden fahren durften, ist uns ein viel-diskutiertes raetsel, denn wenn man eh schon die strecke bis parakou gemacht hat, ist es auch nicht mehr arg weit nach natitingou und dem nationalpark... besonders, wenn man ueberlegt, dass wir eigentlich den rest der angebrochenen woche frei haben und so inklusive wochenende haetten reisen koennen... aber das geht natuerlich nicht, wir haetten ja, oh nein, spass haben koennen....

Freitag, 18. Januar 2008

Alles Voodoo oder was?

In dem Land, in dem die Wiege des Voodoo stehen soll (habe ich noch nicht gesehen), und an die 90% der Bevoelkerung sich irgendwie dem Voodoo zugehoerig fuehlen, gibt es einen eingetragenen Voodoo - Staatsfeiertag (welcher, man munkelt, von dem vorherigen Praesidenten eingetragen wurde, um sein Wahlergebniss zu verbessern, was aber dann nicht geklappt hat, und welcher vom jetzigen Praesidenten aus aehnlichen Gruenden nicht mehr abgeschafft werden kann....)...
Wie dem auch sei, am diesjaehrigen 10. Januar trafen sich -entgegen erster Fehlinformationen- in Porto Novo (und nicht Ouidah) gut mehrere Tausend Menschen, darunter auch der Praesident, Minister, Wuerdentraeger (habe ich a) nicht gesehen oder b) nicht erkannt) und ganz viel Volk (oft in tatsaechlich vermuteter bunter maskerade) sowie eine ueberschaubare anzahl yovos (junge amerikaner (peace corps??) in traditioneller beninischer kleidung und einer wahnsinns film- und foto ausruestung; viele aeltere unmoeglich angezogene frauen und unsere illustre ViP-Gruppe im Schlepptau von Therese Isseki, einer Journalistin, die fuer eine pan-afrikanische presseagentur mit sitz in dakar arbeitet und unsere landeskunde-lehrerin fuer die ersten tage war)...
Auf einem Areal von bestimmt 3 Fussballplaetzen waren grosse Teile mit Pavillions bedeckt, unter denen auf Plastikstuehlen die ca. 20 angereisten Koenigsfamilien sassen. Praktischer weise hatten sie sich alle gleich oder zumindest aehnlich angezogen, bzw. sassen eh gesammelt um ihr heiligtum herum.... jede Familie hat naemlich seine eigene kleine gottheit mitgebracht (in holz, kann man sich wie eine marien-statue vorstellen, nur eben in afrikanisch), die ganz am ende-will ja nichts vorwegnehmen- in einer prozzession durch das Gelaende getragen wurde.
Durch dieses ziemlich chaotisch anmutende Getuemmel, jeder schien seine eigene Party zu machen und bracht sich schon morgens um 11 dank spiritueller Kraefte oder Sodabi in einen Trance-aehnlichen Zustand, bahnten wir uns unseren Weg und fanden irgendwann dankbar ein paar unbesetzte plastikstuehle, von denen aus wir das treiben beobachteten, wasser aus plastiktueten tranken, getrocknetes obst aus plasticktueten probierten und uns gedanken ueber plastikindustrie machten... (wenn Bénin Plastik selber herstellen wuerde, waere es reich, zumindest gemessen an dem Plastik, dass schon in Bénin kursiert... leider kommt aber alles aus China oder Nigeria...)
Die Festivitaeten wollten kein Ende nehmen, zumindest hatte es den anschein, denn die ansagen in den megaphonen konnte ich nicht verstehen, so wie wahrscheinlich jeder, da der laermpegel saemtliche unterhaltung unmoeglich machte. Nach gut 3 Stunden nach Beginn gab es dann eine Parade, in der alle Familien mit ihrem Heiligtum und ihren Masken (kann es net beschreiben, muss mal ein foto suchen... sieht irre komisch aus und waere der traum eines jeden karnevalisten, herje, was bin ich kultursensibel...) an den Tribuenen der Wuerdentraeger vorbeischritten/tanzten/sangen...
Ziemlich ploetzlich loeste sich der ganz spuk auf und alles stroemte in Richtung Parkplatz, wenn er mit dem Auto gekommen war, oder setzte sich zu fuss in bewegung.... so schoben sich dann die Koenige in ihren alten, staubigen mercedes durch die massen des fussvolks... ein schoenes bild...
alles in allem erinnerte mich die veranstaltung an ein riesiges volksfest, ueberall gab es essen und trinken, die leute tanzten und sangen, man sah und wurde gesehen, musste nicht arbeiten und hatte einfach einen heiden spass.... in wiefern das noch mit dem traditionellen Voodoo-Festen zu vergleichen ist, weiss ich nicht.... aber ich denke, dass die kleineren feste, die an diesem tag ueberall im land waren, vielleicht ein bisschen schoener und urspruenglicher gewesen sind... Porto Novo war auch Benin, so wie es eben heute sein moechte... ein bisschen moderne kann man da wohl nicht verbieten ;)