Dienstag, 25. März 2008

Auf nach Lomé

dank mohammed, der hier am freitag seinen geburtstag gefeiert hat, hatten wir tatsächlich vier tage am stück frei. also habe ich anfang der letzten woche überlegt, welche reiseziele mit wenig fahrtzeit verbunden sind und habe mich dann mitte der woche für lomé, der hauptstadt togos (150km, minus eine zeitzone) entschieden. praktischer weise hatte mandy, meine liebe mitbewohnerin aus bayreuth, die gleiche idee, allerdings startete sie von frankfurt und bleibt auch ein bisschen länger, nämlich ein jahr. nachdem die kommunikation ein bisschen erschwert wurde, weil sie so schnell kein handy und auch kein internet hatte, konnten wir dann doch donnerstag per sms die groben rahmendaten klären. da kam mir dann wieder ins bewusstsein, ich will ja über eine grenze, ich brauche ein visum. leider bisschen blöd, wenn einem das am tag vor der grenzüberquerung einfällt und es schon nachmittag ist... für die togoische botschaft in cotonou war es also zu spät. sämtliche leute, die ich zwecks visum befragte, sagten mir unterschiedliche dinge, die spannweite war von 48h bis 1 Monat... ich wollte ja eigentlich nur 3 Tage. leider waren sonntag und montag feiertag, so dass ich die visaverlängerung für den 48h-fall in lomé nicht würde machen können. in der hoffnung, es würde schon alles gut gehen, außerdem bin ich ja weiß, eine frau und in besitz eines dienstpasses (mit hinweis, den besitzer dieses passes schnell und unbürokratisch passieren zu lassen ;) ) entschied ich mich trotz gegenwind, die operation lomé zu starten. abends stellte sich noch heraus, dass eine kollegin eh am freitag richtung togoische grenze aufbrechen wollte, und mich bis comé mitnehmen könnte, von da aus könnte ich dann ganz einfach ein taxi nach lomé nehmen.
gesagt getan, mit gehöriger zeitverzögerung starteten wir freitag gegen halb zwei in cotonou. der feiertagsverkehr war leider schon da und so dauerte es, bis wir aus der stadt herauskamen. neben dem geburtstag von mohammed war auch noch karfreitag, und unzählige menschen formierten sich in kreuzzügen, äh kreuzwegen und blockierten mit ihrem aufmarsch (lautsprecher...) die straßen. nun gut, das alles hinter uns gelassen, befanden wir uns auf der straße richtung grenze... keine 10km gefahren bemerkte meine kollegin plötzlich, dass die bremsen blockieren und da sie kein gutes gefühl hatte, hielten wir an der nächsten möglichkeit und riefen den mechaniker an. der versprach dann auch "gleich" zu kommen, er sei quasi auf dem weg, und wir setzten uns in eine kleine buvette und warteten. zwei stunden später tauchte der gute mensch dann auf, fuhr eine dreiviertel stunde um den block und hatte schließlich das problem behoben (meine zwischenzeitlichen fragen, ob es nicht besser sei, ich würde von hier schon das taxi nehmen, wurden ausgeschlagen, es sei ja noch genug zeit). auto repariert, obligatorisches sucerie getrunken, und schon ging es weiter.. mittlerweile kurz vor 17h. man bedenke, noch 2 stunden bis dunkelheit, und dunkelheit ist verboten, also fahren in der dunkelheit und außerhalb der großen ortschaften. in comé angekommen, war leider kein taxi da, und alle die vorbeibrausten waren voll. normalerweise ist ja voll nicht gleich voll. also die normalen taxis sind hier einfache personenwagen, meisten älteren baujahres, wo bei uns hinten drei leute sitzen, sitzen hier auch schonmal 5 und vorne eben 3 (in der mitte liegt extra ein zusammengefaltetes stück stoff). leider hatten wir die halbe stunde der korrekten fahrere erwischt, die hatten hinten nur drei leute sitzen (also locker noch platz für mich), bestanden aber auf die einhaltung der verkehrsregeln... glücklicherweise stieg zufällig einer bei uns aus, und ich konnte hinein. es fing schon an zu dämmern, als wir richtung grenze brausten. dort musste ich mich erst der beninischen seite stellen, die unglaubliche 20min brauchte, um mir einen ausreisestempel zu geben. neben sämtlichen angaben, warum, wieso, wo, wie lange ich nach togo wolle, und warum ich denn verheiratet sei (habe so nen netten ring auf dem markt in cotonou erstanden, wirkt erstaunlich gut), in meinem pass aber keine kinder eingetragen seien... bekam ich den stempel (=tampon (ich unwissend "nein, brauche ich nicht...")) reingeknallt und konnte meinen marsch zur togoischen immigration fortsetzen, wo ich viel größere hürden erwartete. dort wurde ich aber vergleichsweise freundlich empfangen, und ich durfte ein aufgebot an bürokratie erleben. neben einem großen stempel bekam ich noch eine briefmarke und zwei kleine stempel nicht sehr liebevoll hineingeklatscht. ich musste ein großes formblatt (namen der eltern, adressen...) ausfüllen und zweimal irgendwas unterschreiben. schließlich galt das visum für sieben tage, womit sich meine größte sorge, ich könne mich für einen tag illegal im land auf halten, erledigt hatte. beim rausgehen sah ich noch einen großen teller, der voller stempel war... das scheint hier eine echte leidenschaft zu sein (naja, selbst in der apotheke stempeln sie einem jedes medikament einzeln mit "payé" ab), und ich will gar nicht wissen, was man sich sonst noch so alles in diesem büro erstempeln lassen kann.
mittlerweile schon ziemlich dämmrig fuhren wir von der grenze weg. leider gleich in einen stau, der mir immerhin ermöglichte, den mikrokosmos grenzgebiet zu betrachten. auf beiden seiten haben sich unzählige fliegende und stehende händler angesiedelt, von autoteilen, über voodoo-talismane bis geröstete schweineköpfe (essen, kein talisman) konnte man alles bekommen, bzw. vom fenster aus ordern. diese drive-in mentalität ist eigentlich ein extra eintrag wert... mal sehen.
die ersten eindrücke waren überwältigend. man fuhr über eine art brücke in die bucht von aneho rein und sah das meer und lange sandstrände mit palmen... dazu untergehende sonne. schön kitschig. leider hatte mein sitznachbar mich in ein "wenn man nach afrika kommt, sieht man doch nur die armut"-gespräch verwickelt, wo ich ihm in diesem moment nur wiedersprechen konnte, denn die landschaft war einfach zu schön. habe dann versucht, ihm was von nachhaltigem tourismus zu erzählen, wollte aber nicht so gut klappen. die letzte stunde fuhren wir in dunkelheit (ja, verboten, ich weiß), und irgendwann kamen wir in lomé an, wo mich mandy und fovi schon erwarteten. wir kletterten dann als bald auf zems und fuhren zu fovis familie. er wohnt in einem hof, zusammen mit ca. 25 anderen leuten, mit denen er auch meistens irgendwie verwandt ist. also in der mitte ist ein großer sandplatz und ein brunnen und drumherum gibt es verschiedene hütten/zimmer. wir wurden sehr herzlich begrüßt, zu meinem leidwesen auf ewe, der lokalen sprache im süden togos. mandy kann diese komplizierte sprache schon echt gut (für mich hörte sich alles wie eine mischung aus chinesisch und russisch an) und übersetzte mir dankenswerterweise. wir aßen zusammen (wow, bei den familien wird mal so richtig scharf gekocht.. kein vergleich zu der kantine in cotonou), quatschten und machten uns dann später auf zu mandy, die ein paar straßen weiter wohnte. nach erfolgreicher installation des moskitonetzes gingen wir zu viert noch eine cola trinken und quatschten viel über politik und afrika und deutschland. todmüde fielen wir irgendwann ins bett (ach ja, es ist dort ja auch zeitverschiebung, also für mich immer gefühlt eine stunde später) und plauderten noch bis wir irgendwann einschliefen. am morgen holte mandy dann mit ziemlichem geschick (ich wusste tatsächlich nicht, dass es eine spezielle technik dafür gibt) wasser aus dem brunnen, damit wir die toilette spülen und uns waschen konnten. nach einem schnellen frühstück auf der veranda (lekker avocado-mayo-baguette) machten wir uns auf nach lomé-central... bisschen sight-seeing. an einem sehr menschenleerem platz fanden wir die unabhängigkeitsstatue und ein ziemlich hässliches hotel. menschenleer, weil es verdammt heiß (wolkenloser himmel) war, häßliches hotel, keine ahnung warum. von dort aus liefen wir zum stadtstrand (in lomé liegt die stadt tatsächlich am strand!!), und ruhten uns ein bisschen mit frischgepresstem orangensaft im schatten der plamen aus. dummerweise hatte ich mir eingebildet, nach drei monaten afrika keine sonnencreme mehr zu benötigen... weit gefehlt, schon mittags zeichneten sich verdammt krebsrote flächen auf meiner haut ab... von meinem gesicht wohl nicht zu sprechen, aber das konnte ich ja nicht sehen. nachdem also die größte hitz vorbei war, machten wir uns wieder in die stadt auf, vorbei an hotels und kinos (ahhh, die haben sogar kinos) und einmal quer durch den markt. der ist mindestens genauso chaotisch wie der in cotonou, gleiches sortiment, gleiche hitze, also kein grund für neid ;) dort charterten wir dann ein taxi, dass uns zu einem badestrand stadtauswärts bringen sollte (sämtliche anderen pläne aufgegeben, wg hitze). dort verlebten wir ein paar entspannte stunden, mandy entdeckte, dass papayas doch nicht nur nach gemüse schmecken und ich bin seit dem begeisterter fan der grünen orangen. am abend gab es wieder essen bei fovi, und danach noch ein "straßenkonzert", das eigentlich zur promotion einer neuen bar aufgebeut worden war. ostersonntag teilte sich in ausschlafen (für mich) und messer (für mandy). beides fand parallel statt, weil die messe schon um 7:00 anfing und gut 3 stunden dauerte. ich muss sagen, mein bedauern, nicht hingegangen zu sein, hielt sich in grenzen. der rest des tages bestand in essen, ausruhen und am abend eine tanzveranstaltung ansehen (da gibt es tanzgruppen in jedem quartier und die machen das wohl sehr regelmäßig, dass sie auftreten; und jede gruppe, hat so ihren eigenen tanz; aber wer da mehr wissen will, fragt besser mandy, die hat da nämlich ahnung von). plötzlich war auch schon wieder montag und ich machte mich auf die rückreise. ein taxi wurde schnell gefunden, die fahrt wurde von unzähligen stops und sachen einladen unterbrochen und der fahrer hielt sich an die übliche beladung, fünf leute hinten und ich in der mitte... schonmal jemand einen krampf im fuß gehabt, und sich dann nicht bewegen können? nun ja, grenze ging bisschen einfacher, brauchte ja nur die aus- und dann wieder einreisestempel. allerdings musste ich wieder den selben zettel wie auf dem hinweg ausfüllen (auf beniner seite) und der mensch war echt ungehalten, als ich ihn nicht versand... nerv... gegen 16h kam ich dann in cotonou an, der fahrer, seineszeichens beniner, kannte sich nicht aus, so kam es, dass ich am falschen ende des boulevard st.michel ausgesetzt wurde und die "kurze" strecke, in einer stunde zurück lief. leider hatten die einkaufsmöglichkeiten, die ich unterwegs erhoffte, zu, so dass mein laufen einfach gar keinen sinn hatte, ich aber gegen ende dann auch zu stur war, noch ein zem zu nehmen. bewegung ist schließlich gesund (mit sonnenbrand und wunden füßen).
wenn ich ein fazit ziehen würde, dann wohl dieses, dass ich nach drei monaten endlich mal in afrika war. ja, cotonou ist auch afrika, aber den teil, den ich davon sehe, kann man eben auch in einer europäischen großstadt finden. wenn ich nicht ab- und zu mal strom- und wasserausfall haben würde, würde ich es wahrscheinlich gänzlich vergessen. bis jetzt lebe ich ein priviligiertes, touristisches, abgehobenes leben, mit allem komfort den man so haben kann. im vergleich zu einigen kollegen und anderen yovos fühle ich mich immer noch wahnsinnig angepasst an die lokalen bedingungen, aber eigentlich ist das sehr scheinheilig. von lomé wieder auf den afrikanischen boden der tatsachen gebracht, kam mir dann in den sinn, dass ein großteil der afrikanischen bevölkerung noch unter viel "schlimmeren" bedingungen als die familie in lomé wohnt, denn die haben den vorteil eines eigen brunnens und somit zugang zu wasser. heute sitze ich dann wieder an meinem schreibtisch und mache mir gedanken, wie man die ländliche wasserversorgung in benin mit sozialwissenschaftlichen methoden erheben kann... dabei wird es dann kategorien wie "entfernung zur nächsten wasserquelle", "täglicher zeitaufwand fürs wasserholen" oder "art der quelle (wenn es keinen brunnen gibt, dann greift man eben auf ein marigot, eine natürliche quelle/teich/tümpel zurück)" geben... irgendwie eine andere welt, und irgendwie unvorstellbar, dass wir von unseren klimatisierten büros aus uns als experten geben...