Donnerstag, 31. Januar 2008

déménager

ich bin nicht mehr im gaestehaus, erste neuigkeit. allerdings auch noch nicht in einer eigenen wohnung. die erste wieder relativierende neuigkeit. dank drei verschiedenen Sitzungen von ded Togo/Benin ist das Gaestehaus total voll und ich bin zu elisabeth und freund gezogen, die seit gut zwei wochen in ihrer whg wohnen, und, das ist dann doch ne neuigkeit, unter denen eine whg frei wird, die ich aller wahrscheinlichkeit nach haben kann... leider ist das mit dem wann noch so eine imraumstehende frage, denn das appartment-haus gehoert dem ministerium, und behoerden-muehlen mahlen bekanntlich nicht besonders schnell... dazu kommt, dass es in der whg eine art wasserrohrbruch gegeben haben muss (die wand im bad und die des zimmers daneben sowie die whg unten drunter ist nass), den ich gerne vorher repariert haette. das muss das ministerium aber machen, denn die sind das auch schuld, da sie vor ein paar monaten das bad neu gemacht haben und dabei wohl ein bisschen zu heftig die wandaufgeschlagen haben... und das jetzt eben nochmal machen muessen.

das Haus steht in mitten eines riesigen gartens, in dem neben ganz viel muell auch pfaue, ein kaputter trabbi, kleine zottelige klaeffer und hohe palmen stehen. das quartier nennt sich "zone residentiell" und in der nachbarschaft ist die deutsche botschaft, die ded-chefin und viele andere villen hinter hohen mauern. das haus ist dahingehend eine ruehmliche ausnahme. es ist alt (hohe decken, seltsame leitungen ueberall, kaputte lampen... eben schoen alt), von aussen pink, von innen vanille, jede whg hat einen tollen balkon (mit das tollste), wandschraenke (die erfindung schlecht hin), eine grosse kueche und und und... ich bin eigentlich bis auf das wasser in der wand hell auf begeistert... habe in dieser begeisterung auch gleich mal von der jetzigen bewohnerin (zieht heute aus) den kuehlschrank, wasserfilter und terassenmoebilierung gekauft, in der hoffnung, dass ich bald dort einziehen kann. zwar ist es bei elisabeth sehr schoen, ist ja auch die gleiche whg nur eine etage hoeher, aber ist eben ein bisschen eng fuer drei, vor allem, wenn ich meinen so langsam entstehenden hausstand mit unter bringen will...

seit zwei tagen gibt es auch kein wasser, was aber nicht schlimm ist, da es eimer gibt, und das wasser nur in der whg nicht geht... und zwar, weil die pumpe kaputt sein soll, die das wasser hochpumpt, komisch nur, dass sie nicht mehr geht, seitdem der handwerker da war, um sie zu warten...und jetzt soll eine neue her, fuer 175 000, auch komisch.

bis auf weiteres schlafe ich also in meinem moskitozelt im durchgangszimmer und hoffe auf baldige situationsaenderung... ansonsten ziehe ich doch noch fuer ein paar wochen an den strand, da ist noch ein nettes zimmer frei...



meine erste konferenz erfahrung habe ich auch mehr oder eher weniger erfolgreich hinter mich gebracht. wenn es mehr erfolgreich gewesen waere, dann wuerde ich jetzt nicht diesen eintrag schreiben sondern wieder in dem voll-klimatisierten saal sitzen und andaechtig lauschen aber nichts verstehen.... gestern waren martin, mein kollege, und ich da, fein herausgeputzt, die einzigen yovos bei einer konferenz zum thema "control citoyen" mit vertretern 13 west- und zentralafrikanischer Staaten (senegal,mauretanien, mali, burkina, niger, côte d'ivoire, togo, benin, kamerun, drc, congo-brazaville, rwanda und burundi) und ner handvoll beninischer offizieller.... leider hatte ich den ersten tag verpasst, da ich auf der rueckreise war, und am mittwoch sind wir dann gleich mal ein bisschen zu spaet gekommen (dabei dachte ich, es herrscht die african time...). es gab eine flut von powerpoint, ziemlich schlecht, und es wurde dann nur vorgelesen, was auf den folien stand.... kurioser waren allerdings die spontanen sing-einlagen der teilnehmer, das konterfei eines 56 jaehrigen geburtstagskindes auf den ausgeteilten wasserflaschen, die staendigen witzeleien (die ich nicht verstanden habe...), das ungenierte einschlafen der teilnehmer aus togo, mauretanien und drc, das staendige handygebimmel und das sofortige drangehen (oui, allô? je suis dans une réunion....), die vor dem konferenzsaal aufgelaufenen fliegenden haendler mit gebrannten dvds, klamotten und prepaid-karten, die bei vielen reissenden absatz fanden sowie die tatsache, dass wir staendig aus allen richtungen fotographiert wurden und diese fotos dann draussen zum verkauf auf einem tisch lagen.... es hatte ganz leicht den nachgeschmack einer verkaufsveranstaltung.
nun ja, die begeisterung fuer all das neue hielt nicht wirklich an, wir sind dann mal ziemlich zuegig wieder gegangen, haben vor dem mittagessen noch eine giftige schlange enthauptet (aehm, die war an der wand von martins haus, und da wir alle nicht wussten, was man mit der jetzt macht, haben wir hilfe geholt, und die hilfe hat sich dann nochmal hilfe geholt und dann haben sie dem gruenen ding auf den kopf geschlagen, bis der matsch war und dann musste martin diesen kopf vor dem garten tor noch mit der heckenschere abschneiden.... danach gab es dann lekker buletten) und am nachmittag der buero-arbeit gefroent. also er... ich nicht wirklich ;)
aber naechste woche geht es wirklich los, da soll ich zusammen mit martin und elisabeth und didier (ProDOSC Sud, Demokratiefoerderung) aufs "terrain", ein dorf in der naehe der togoischen grenze, noerdlich von lokossa, um dort eine art tag der offenen tuer zu organiseren, wo die beiden programme (ProDosc und SCRP-Suivi) vorgestellt werden sollen, damit sich mehr foerderungswillige ongs finden lassen. eigentlich ist die idee des ded, dass organisationen beim ded anfragen, ob man sie nicht bei einem vorhaben unterstuetzen will, dann wird das geprueft und dann wird, mit eigenanteil der ongs, unterstuetzt. leider koennen die ongs auf dem land ja nicht riechen, dass es den ded gibt und der auch noch programme hat, mit denen er sie foerdern wuerde, wenn sie es denn nur wuessten, so dass sich so langsam die idee verbreitet, man koenne ja ein bisschen werbung machen, anstatt zu warten, dass die ongs kommen...
ich bin mal sehr gespannt, da ich bei der hier ansaessigen donor-vielfalt eigentlich davon ausgehe, dass die ongs waehlen koennen, wer ihnen das beste angebot macht, ergo das "leistungspaket" des ded, der ja eigentlich kein geld sondern nur expertise geben will, gut geschnuert sein muss, sonst fragen die ongs gar nicht erst weiter nach... das faengt damit an, dass es bei so einem "atelier"=workshop=infotag aufjedenfall was zu essen und trinken geben muss, sonst kommen deutlich weniger leute...

Freitag, 25. Januar 2008

auf reisen...

... gewesen, muss es leider heissen, denn ich bin schon wieder zurueck in den cotonouer staub-abgas-dreck. Samstag bis Dienstag haben wir, dass heisst meine Vorbereitungsgruppe Elisabeth, Arnaud, Marc (+Hund) und ich, eine kleine verordnete Dienstreise nach Parakou (bis Montag mittag) und dann zurueck ueber Abomey/Bohicon, gemacht.
Kurzgesagt: es war toll. Vor allem deshalb, weil man einfach mal rausgekommen ist und was gesehen hat! Es gibt leider tatsaechlich auch im Rest von Benin grad ziemlich viel staub, aber ausserhalb von cotonou dann auch mal blauen himmel... Die Fahrt nach Parakou meisterten wir in 9 Stunden, zu fuenft plus hund in meinem fussbereich. Dank mehrerer Pausen an kleinen Buvettes, die irgendwie doch auch alle nur den gleichen Pat, Piment und Reis hatten, sowie lauter musik und offenen Fenstern war es eine witzige fahrt, die auch irgendwo auf einer landstrasse in europa haette sein koennen. die strassenverhaeltnisse sind ab bohicon, was allein die qualitaet der strasse angeht, bestens. es gab auch wieder die obligatorisch erscheinende mautstation. was allerdings die fahrweise der beniner, und vor allem der yovos in den grossen autos mit den getoenten scheiben, angeht, kann man durchaus von katastrophal sprechen. es wird gedraengelt, ueberholt, gebremst, wie man will und das bei einem hohen verkehrsaufkommen mit besonders vielen LKWs, die um mindestens das doppelte ihrer normalen hoehe mit baumwolle, kohle oder anderen im norden zu bekommenden guetern beladen sind. dazwischen rasen dann noch reisebusse, die entweder von cotonou nach niamey oder umgekehrt fahren, an einem vorbei, obwohl man selber bergan (!) 120km/h faehrt... und dann wundert man sich auch eigentlich nicht, dass in besonders tollen kurven, senken, steigungen, links und rechts der strasse ausgebrannte oder umgekippte LKWs, Busse und PKWs liegen.
Nun gut, wir haben es, dank moderater Fahrweise geschafft, heile nach Parakou zu kommen. Dort sind wir bei einer Kollegin, die grad nicht da war, untergekommen. Gleich vorweg, Parakou ist eine tolle Stadt. Leider habe ich im laufe der letzten Wochen gemerkt, dass viele Staedte, im Vergleich zu Cotonou, toll sind. Es ist weitlaeufig, huegelig, blau-himmelig und freundlich. mit gut 150 000 Einwohnern auch einfach viel kleiner als Cotonou, aber eben genau richtig. man bekommt alles, was man auch in cotonou bekommt, es gibt einen echt tollen markt und wenn man will, ist man in 10 minuten in der natur. das haben wir am sonntag auch gemacht, sind zu einem kloster in der naehe gefahren und da ein paar stunden spazieren gegangen... seit langem mal wieder idyllische ruhe. die klosterschwestern sind nicht untaetig, sie haben einen kleinen kloster-shop in dem man saefte, crems, marmeladen, buecher, yoghurt, kerzen... aus eigenem anbau kaufen kann. sehr genial, ananas-papaya-mango saft... und guaven-marmelade...
abends waren wir dann in einem restaurant, das frueher mal das haus eines Entwicklungshelfers und das DED-Gaestehaus gewesen ist... ein riesiges mehrstoeckiges gruen-weiss-gestrichenes Baumhaus!! irgendwie waren die EHler in den siebzigern mir symphatischer...
Am montag haben wir uns vormittags das Buero in Parakou angeschaut und gegen Mittag sind wir dann nach Bohicon aufgebrochen... der Rueckweg wurde eine einzige Einkaufstour, da im Norden irgendwie alles guenstiger ist als im Sueden, also zenn man einheimische Produkte haben moechte, die nicht ueber den Hafen aus Europa kommen. So war das Auto dann vollgepackt mit Kisten aus dem Klostershop, Peul-Kaese (der Kaese ersatz schlecht hin), einem hqlben Ananas-Feld, Papaya, Tapioka (soll man mit Pudding machen koennen, ich werde es testen), Tomaten, Bananen, Kokosnuesen, Erdnuessen, cashewnuessen, mini-maniok-stampfern.... unser wagen sah nicht viel anders aus als die autos, die sonst richtung sueden fahren... und war auch leider so voll, das wir regelmeassig auf bordsteinen und anderen strassenbegrenzungen aufsetzten,; wenn wir diese zu ueberqueren versuchten...
abomey, wo wir gewohnt haben, und bohicon, wo ein weiteres ded-buero ist, liegen gqnz dicht beieinander, gut 200 km entfernt von Cotonou Richtung Nord-westen. Abomey war die Hauptstadt des ehemaligen Koenigreiches Dahomey und ist voll von alten Palaesten, Tempeln, "historical sites" eben. Leider waren wir von der Fahrt alle ein bisschen verkatert, weshalb wir uns nicht total ins kulturelle Leben geschmissen haben (es aber einandermal sicher nochmal machen werden). Nach der Ankunft am Montag abend, sind die beiden Jungs krank im Haus von Morvan, dem ansaessigen EHler, geblieben, waehrend Elisabeth, Morvan, Hund und ich uns in ein uriges Restaurant begeben haben, und das zu fuss. ich war noch nachtraeglich total begeistert, dass man im dunkeln durch verlassene feldwege gehen kann ohne auch nur den anflug von angst zu haben. tja, wieder ein nullpunkt fuer cotonou. dieses restaurant hat einen riesigen garten in dem riesige baeume stehen und ueberall verstreut kleine paillottes (gartenhuetten mit strohdach, an den seiten offen), wo man auf alten sofas seine getraenke/essen dann einnimmt. im hinteren bereich residiert eine alte beninerin, monique, der das alles gehoert und die nicht nur ueberall tiere hat, sondern auch noch kunsthandwerk im garten und auf ihrer terasse verteilt. darunter geschnitzte holzstuehle, deren lehne bestimmt 2,50m lang ist... kurios.
die beiden staedte, ich fasse mal verallgemeindernd zusammen, waren echt nett, beschaulich, entspannt.... und auch hier gilt wieder, man bekommt genau das, was man auch in cotonou bekommt, nur nicht in hundertfacher ausfuehrung...
nachdem wir uns dienstag frueh das buero angeschaut haben, ging es auch schon wieder richtung cotonou. mit diversen zwischenstopps waren wir nach fuenf stunden dann auch da... die strecke universitaet calavi - cotonou, luftlinie 25km, hat einfach immer stau und laesst einen da gerne schonmal ne stunde oder mehr stehen/fahren.

warum wir allerdings nicht noch weiter in den norden fahren durften, ist uns ein viel-diskutiertes raetsel, denn wenn man eh schon die strecke bis parakou gemacht hat, ist es auch nicht mehr arg weit nach natitingou und dem nationalpark... besonders, wenn man ueberlegt, dass wir eigentlich den rest der angebrochenen woche frei haben und so inklusive wochenende haetten reisen koennen... aber das geht natuerlich nicht, wir haetten ja, oh nein, spass haben koennen....

Freitag, 18. Januar 2008

Alles Voodoo oder was?

In dem Land, in dem die Wiege des Voodoo stehen soll (habe ich noch nicht gesehen), und an die 90% der Bevoelkerung sich irgendwie dem Voodoo zugehoerig fuehlen, gibt es einen eingetragenen Voodoo - Staatsfeiertag (welcher, man munkelt, von dem vorherigen Praesidenten eingetragen wurde, um sein Wahlergebniss zu verbessern, was aber dann nicht geklappt hat, und welcher vom jetzigen Praesidenten aus aehnlichen Gruenden nicht mehr abgeschafft werden kann....)...
Wie dem auch sei, am diesjaehrigen 10. Januar trafen sich -entgegen erster Fehlinformationen- in Porto Novo (und nicht Ouidah) gut mehrere Tausend Menschen, darunter auch der Praesident, Minister, Wuerdentraeger (habe ich a) nicht gesehen oder b) nicht erkannt) und ganz viel Volk (oft in tatsaechlich vermuteter bunter maskerade) sowie eine ueberschaubare anzahl yovos (junge amerikaner (peace corps??) in traditioneller beninischer kleidung und einer wahnsinns film- und foto ausruestung; viele aeltere unmoeglich angezogene frauen und unsere illustre ViP-Gruppe im Schlepptau von Therese Isseki, einer Journalistin, die fuer eine pan-afrikanische presseagentur mit sitz in dakar arbeitet und unsere landeskunde-lehrerin fuer die ersten tage war)...
Auf einem Areal von bestimmt 3 Fussballplaetzen waren grosse Teile mit Pavillions bedeckt, unter denen auf Plastikstuehlen die ca. 20 angereisten Koenigsfamilien sassen. Praktischer weise hatten sie sich alle gleich oder zumindest aehnlich angezogen, bzw. sassen eh gesammelt um ihr heiligtum herum.... jede Familie hat naemlich seine eigene kleine gottheit mitgebracht (in holz, kann man sich wie eine marien-statue vorstellen, nur eben in afrikanisch), die ganz am ende-will ja nichts vorwegnehmen- in einer prozzession durch das Gelaende getragen wurde.
Durch dieses ziemlich chaotisch anmutende Getuemmel, jeder schien seine eigene Party zu machen und bracht sich schon morgens um 11 dank spiritueller Kraefte oder Sodabi in einen Trance-aehnlichen Zustand, bahnten wir uns unseren Weg und fanden irgendwann dankbar ein paar unbesetzte plastikstuehle, von denen aus wir das treiben beobachteten, wasser aus plastiktueten tranken, getrocknetes obst aus plasticktueten probierten und uns gedanken ueber plastikindustrie machten... (wenn Bénin Plastik selber herstellen wuerde, waere es reich, zumindest gemessen an dem Plastik, dass schon in Bénin kursiert... leider kommt aber alles aus China oder Nigeria...)
Die Festivitaeten wollten kein Ende nehmen, zumindest hatte es den anschein, denn die ansagen in den megaphonen konnte ich nicht verstehen, so wie wahrscheinlich jeder, da der laermpegel saemtliche unterhaltung unmoeglich machte. Nach gut 3 Stunden nach Beginn gab es dann eine Parade, in der alle Familien mit ihrem Heiligtum und ihren Masken (kann es net beschreiben, muss mal ein foto suchen... sieht irre komisch aus und waere der traum eines jeden karnevalisten, herje, was bin ich kultursensibel...) an den Tribuenen der Wuerdentraeger vorbeischritten/tanzten/sangen...
Ziemlich ploetzlich loeste sich der ganz spuk auf und alles stroemte in Richtung Parkplatz, wenn er mit dem Auto gekommen war, oder setzte sich zu fuss in bewegung.... so schoben sich dann die Koenige in ihren alten, staubigen mercedes durch die massen des fussvolks... ein schoenes bild...
alles in allem erinnerte mich die veranstaltung an ein riesiges volksfest, ueberall gab es essen und trinken, die leute tanzten und sangen, man sah und wurde gesehen, musste nicht arbeiten und hatte einfach einen heiden spass.... in wiefern das noch mit dem traditionellen Voodoo-Festen zu vergleichen ist, weiss ich nicht.... aber ich denke, dass die kleineren feste, die an diesem tag ueberall im land waren, vielleicht ein bisschen schoener und urspruenglicher gewesen sind... Porto Novo war auch Benin, so wie es eben heute sein moechte... ein bisschen moderne kann man da wohl nicht verbieten ;)

Dienstag, 8. Januar 2008

Bonne Année...

Hallo zusammen,
ich wünsche euch allen, ein kleines bisschen verspätet, ein gutes und erfolgreiches Jahr 2008! Dank einer klitzekleinen Arbeitsflaute habe ich seit weihnachten zwei sehr schöne und entspannte Wochen verbracht, in denen ich Cotonou und auch ein bisschen das, was in der näheren Umgebung ist, erkundet habe. Die Durchschnittstemperaturen haben sich nicht wirklich verändert, allerdings könnte man behaupten, es ist ein bisschen frisch geworden... zumindest morgens. und dem staub, der sich einfach überall niederlässt, nach zu urteilen, ist hier tatsächlich der harmattan (wind, der aus der sahara kommt und für viele wolken, kopfschmerzen und eben staub, verantwortlich ist) angekommen, was gleichzeitig die "kälteste" jahreszeit einläutet... nebenbei, die klima in diesem büro läuft auf 26° und ich habe kalte füsse...

Die Ausmasse der Stadt habe ich noch nicht wirklich erfasst, sie wuchert an allen Ecken und Enden, es gibt eigentlich kein wirkliches Stadtzentrum, nur bestimmte Strassen, die bestimmte Läden haben, aber auch hier ohne einleuchtendes System (Rue de Libanaise= Strasse mit Geschäften von Libanesen= Geschäfte mit Stoffen)... möglicherweise ist aber auch mir das System einfach noch nicht aufgefallen. Bei den ersten Fahrten mit Kollegen konnte ich mir einfach gar nichts merken, plötzlich hatten sich die Himmelsrichtungen aufgelöst (weil keine mir ersichtlichen Orientierungspunkte, und Sonne hinter Wolken) und eigentlich sah jede Kreuzung gleich aus... dann haben wir aber in den letzten Wochen angefangen, die Stadt ein bisschen zu Fuss zu erkunden, was eine der besten Ideen war.

Auf einer dieser Wanderungen sind wir zum Dantopka Markt (angeblich grösster Markt Westafrikas) gelangt, der leider dahingehend eine Enttäuschng war, dass es dort alles gibt, was es auch auf sehr viel kleineren Märkten gibt. Auf unserer Jagd nach Isolierpötten (soll es günstiger in Cotonou geben, weil der China-Plastik-Kram gleich am Hafen ankommt, anstatt noch nach Norden transportiert zu werden) und Handtüchern (wieso gibt es Tausende von Stoffläden aber keine Handtücher???) irrten wir gefühlte Stunden durch die Nachmittagshitze und -Schwühle der kleinen Gassen, die von grossen Handkarren, Mopeds, Kindern, Kunden und vor allem VerkäuferInnen (die in einer Schüssel auf ihrem Kopf die Warenvielfalt der einzelnen Shops hatten) bevölkert waren. Ich glaube, man kann da eigentlich alles bekommen, wenn man nur weiss wo. Irgendwann waren wir in der Mitte des Marktes angekommen, wo ein grosses Gebäude ist, in dem es auf drei Etagen wiederum Stoffe, Schmuck und vor allem schrecklich hässliche Plastik-Handtaschen, gibt. Gott-sei-dank war der Ausgang schneller gefunden als der Eingang, und man fand sich in der "lebensmittel"-abteilung wieder. In der Nähe der Lagune gelegen, türmten sich auf diesen Ständen vor allem Fische und anderes riechendes und scheinbar schnell verderbliches auf... und so stolperten wir weiter, diesmal irgendwie richtung nordwesten, in dem versuch, den markt zu durchqueren und einen wirklichen ausgang zu finden... vorbei an kanälen, in denen vielleicht in der regenzeit wasser zur lagune fliesst, jetzt aber leider nur ein schwarzer schmodder steht, unzähligen weiteren Ständen, Menschen, Karren... irgendwie sind wir da wohl auch wieder heraus gekommen, und haben uns auf den Heimweg gemacht... ergebnis: ein handtuch, ein liter cola und das gefühl, an einem marathon teilgenommen zu haben.

Silvester kann relativ kurz abgehandelt werden: Party am Strand, bei einem Aussteiger-Franzosen, der seine ganzen Franzosen-Freunde und die restliche EZ/Yovo-Gemeinde eingeladen hatte... Bisschen surreal und komisch, aber der Strand ist hier ja sehr gross und so konnte man sich auch einen Platz suchen, wo man eher weniger von der schlechten Musikauswahl mitbekommen hat und stattdessen dem Rauschen des Meeres lauschte...

Am letzten Wochenende haben wir dann dochmal den Touristen raushängen lassen, was für zwei Tage auch echt okay war.
Samstag sind wir nach Porto Novo gefahren, der eigentlichen Hauptstadt, die gut 45 Auto-min von Cotonou entfernt ist. Diese Stadt ist auf eine heruntergekommene Art einfach wunderschön und so viel entspannter als Cotonou... wir waren im ethnographischen Museeum, einem alten Kolonialgebäude mit interessanten Ausstellungsstücken, die den Bereichen "Geburt", "Leben" und "Tod" zugeordnet waren.
Danach sind wir ein bisschen raus in die "campagne" gefahren, rote Böden, tropische Vegetation, kleine Tante-Emma-Lädchen, überall Tiere... überraschende ähnlichkeit mit Kenia und der aufkeimende Wunsch, doch lieber hier zu arbeiten, als in der Stadt... dass sich meine romantisch-verklärte sichtweise wahrscheinlich sehr schnell relativieren würde, wollte ich mir nicht direkt eingestehen, liess mich aber nach einer lustigen taxi-brousse-fahrt (ich sitze mit drei wirklichen grand-popos (=mama benz) in der letzten reihe eines japanischen kleinbusses, als während der fahrt, die rückenlehne leicht nachgibt und die damen zum fahrer krakeelen, die yovo hätte den sitz kaputt gemacht....) auf den afrikanischen boden der tatsache zurück bringen, und innerlich nach einem ausbau der sicheheitsbestimmungen für den maroden öffentlichen nahverkehr verlangen.
Sonntag folgt dann das richtige Touristen-Highlight, eine Fahrt nach Ganviè, einem Pfahldorf in dem See nördlich von Cotonou... Da leben 30 000 Menschen in Hütten, die über das Wasser gebaut sind, die man nur über kleine Piroguen erreichen kann... genau so eine charterten wir uns dann auch (ganz spontan hat irgendeine Regierungsinstanz einen kleinen Schalter dort aufgemacht, wo eine Tafel mit allen Preiskombinationen (Anzahl der Leute / Art der Boote) steht). Wir haben uns dann zu viert für eine nicht motorisierte Pirogue entschieden, die natürlich obligatorische Löcher hatte, so dass von Zeit zu Zeit das Wasser mit hilfe eines alten Plastiktellers herausgeschöpft werden musste. Als wir dann in dem Dorf angekommen waren, wurden wir auf bestimmten wasserwegen durchgefahren, die -rein zufällig- an den drei souvenir-shops vorbei kamen, vor denen auch schon eine kleine anzahl bettel-kinder positioniert war (donne-moi cent franc...)... das war mir irgendwie zu abgekartert, und so verweigerte ich mich dem unterschwelligen kaufzwang (mal ganz davon abgesehen, dass eine 2m holz-giraffe unser schifflein bestimmt zum untergang verdammt hätte).
den nachmittag verbrachten wir am wunderschönen strand, mit lekker essen, lesen, kokosnüssen und grossen wellen... eigentlich hatte ich die warnungen des auswärtigen amtes bezüglich der gefährlichen Strömungen für übertrieben gehalten (so, wie da eigentlich immer alles übertrieben ist...), aber nachdem ich innerhalb von wenigen minuten gegen meinen willen die meiste zeit unter-wasser verbracht hatte musste ich meine meinung doch ein bisschen relativieren.... wusstet ihr, dass man sich im meer schürfwunden holen kann?? Ist aber eigentlich halb so schlimm wie es sich anhört und eigentlich ist es sogar ziemlich total super, wenn man mal seine angst vor der schäumenden gischt und dem krassen sog überwunden hat ;))

Jetzt sitze ich also hier im Büro, und habe scheinbar nichts zu tun, denn sonst hätte ich ja nicht sooo viel schreiben können... naja, da ist was dran ;) meine Vorbereitung im Partnerland (ViP) geht erst morgen los, aber dann so richtig. Mit Programm, mit Plan, mit festen Zeiten. Am Donnerstag geht es nach Ouidah, wo das jährliche Voodoo-Festival stattfindet, ich bin gespannt, da ich irgendwie einen von touristen überlaufenen Platz vor augen habe, auf dem arme leute dafür bezahlt werden, in bunten kostümen exotische tänze vorzuführen... ich hoffe, ich finde noch gescheite literatur, die mir den wahren grund des festes erklärt, der Lonely Planet scheint mir da keine verlässliche Quelle zu sein....
Alors, à bientôt