Sonntag, 25. Mai 2008

Regenzeit

als ich hier ankam, da war es trocken, staubig und mit unter kühl am morgen und in den abendstunden. aber trotzdem hatte es manchmal ein bisschen geregnet. und tagsüber hatte ich immer das gefühl in einem gewächshaus zu wandeln. aber alle sagten „nein nein, das ist doch jetzt die trockenzeit, die beste zeit im jahr, schön kühl, viel sonne, aber ein bisschen mit den nachteilen des harmattan-windes aus dem norden: roter staub überall, auch in den schränken...“. mhm, das wollte ich nicht so richtig glauben, aber auch der reiseführer und das internet bekräftigten diese aussagen. ab mitte februar wurde es dann heiß und so richtig schön schwühl, gewächshaus wäre plötzlich eine angenehme alternative gewesen. mittags eigentlich nicht auszuhalten, am besten in kühlen räumen, ohne viel bewegung; das erste mal erschien mir eine fast dreistündige mittagspause sinnvoll. wenn sich richtig viel hitze über der stadt angestaut hatte, dann gab es auch schon mal ein gewitter, so wie man das aus deutschen sommern kennt. hier nur ein bisschen heftiger... da nützt keine regenjacke, kein schirm... nur rennen. aber es war immer noch nicht das, was man hier weitläufig als regenzeit bezeichnet. und die ja auch erst ab april beginnen sollte. mhm, aber woran macht man das eigentlich fest, dass es nun regenzeit ist? denn meine befürchtung, dass es dann tag ein tag aus in strömen regnet, scheint sich auch nicht zu bestätigen. also zumindest wollte mir das keiner bestätigen... vielleicht kommt es ja auch noch. aber mittlerweile ist fast ende mai, und man hängt irgendwo dazwischen. klimawandel vielleicht? das scheint ja eine gute ausrede für alles zu sein. schnee im april, fünfzehn grad an weihnachten und dann eben noch keine regenzeit im mai. dabei regnet es jetzt öfter. mehrmals die woche. aber leider noch nicht regelmäßig. denn regen ist hier ja sowas von genial. zuerst wird es dunkel, so dass man egal zu welcher tageszeit das licht anmachen muss (wenn man denn strom hat, denn der scheint ein faible dafür zu haben, bei regen auszufallen, genauso wie das telefonnetz). dann kommt ein wind auf, nein eigentlich ein sturm. und der wirbelt alles auf, was so in der gegend herum liegt... das ist in so ner großstadt einiges. und besonders ungünstig, wenn man noch schnell nach hause will und auf einem moped sitzt, dass eigentlich auch nur nach hause will, umgeben von vielen anderen mopeds, die das gleiche wollen... und deshalb dementsprechend fahren. ohne regeln, ohne rücksicht. und während es schon in der ferne blitzt und donnerst saust also dieses zem die straße runter, man selber kann leider nichts mehr sehen, vor lauter sand und dreck, der einem in die augen fliegt, und hofft inbrünstigst, dass der fahrer die augen nicht geschlossen hat... meistens schafft man es auch, mit den ersten dicken tropfen das haus zu erreichen (wenn man nicht eh schon drinnen ist, oder aus der not heraus irgendwo hält, um sich unterzustellen). unterstellen ist deshalb ungünstig, weil es a) wenig zum unterstellen gibt und man b) nicht weiß, wie lange das denn dauern wird. unter einer stunde gab es noch nie. drei und mehr ist durchaus üblich. meistens hört man den wolkenbruch heranrollen, das ist ein ganz komisches geräusch. aus der ferne kommt ein prasseln, ein rauschen, das immer lauter wird und schließlich einfach da ist. unter dem die bäume sich biegen, der sand weicht, die menschen fluchtartig rennen. es wie ein vorhang, manchmal sieht man tatsächlich nichts mehr. nur dann, wenn der blitz wieder alles taghell erleuchtet. denn es ist nicht nur ein gewaltiger regen, es ist auch immer ein gewitter, mit blitzen und donnern, die mich jedesmal aufschrecken lassen. und oft hört man vor lauter regen auch nichts mehr. also wenn das telefonnetz mal funktioniert, dann kann man sich sicher sein, dass man den gesprächspartner nicht verstehen wird. in dieser zeit kann man nicht viel machen, zumindest nicht viel, was mit arbeit zu tun hat. es sei denn, man ist auf der arbeit... man ist von der welt getrennt. meist ist der strom weg, so dass man im kerzenschein lesen kann. oder backen, denn der ofen geht über gas. oder handarbeiten. wie vor hundert jahren irgendwie... und es fahren auch keine zems, was auch unklug von denen wäre, wenn es es doch machen würden, denn man wäre in wenigen sekunden bis auf die haut naß. und selbst die autos habens schwer. erstmal muss man zu seinem auto kommen, dann muss man sich den weg bahnen, denn die scheibenwischer sind total überfordert und die straßen gleichen einer großen pfütze und schließlich muss man aufpassen, dass man nicht in einem schlagloch absäuft, denn die laufen so schnell voll mit wasser und sehen dann gar nicht so tief aus, wie sie eigentlich sind...und wenn man dann trotzdem naß im büro ankommt, stellt man fest, dass die kollegen dieses abenteuer nicht gewagt haben...
am besten bleibt man bei so einem wetter also zu hause im bett. da macht man dann die fenster weit auf, damit der kühle wind gut durchziehen kann (meistens kommt der regen von der seite, wo ich einen balkon habe, so dass es sehr selten wirklich naß im zimmer wird) und hört zu. dem regen, dem wind. das ist echt wunderschön. und ist super fürs nachdenken, einfach nur liegen und denken. herrlich.
gestern war so ein tag. da hat es morgens schon geregnet, mittags mal aufgehört, und abends wieder angefangen. eigentlich hat es die ganze nacht geregnet. und gedonnert. ein donner war so laut, dass wir dachten, das haus gegenüber von uns muss eingestürzt sein. war es aber doch nicht... und überhaupt riecht die luft dann so gut...
also ist das nun regenzeit? obwohl es die vier tage zuvor nicht geregnet hat? eigentlich ist mir das egal, wie man das nennt, denn es ist toll und ich mag es. also soll es doch sein. und jeden tag regen wär ja auch unpraktisch, weil dann käm ich zu nichts mehr, außer denken und die pfützen könnten nicht trocknen. und dann bräuchte der ded keine dienstwagen sondern boote. eigentlich auch toll...

Donnerstag, 15. Mai 2008

Nachtrag: Ausflug in den hohen Norden

am ersten mai machte ich mich morgens um sechs uhr auf in richtung nord-benin. im dunkeln ließ ich mich zum etoile-rouge (größter kreisverkehr cotonous, der in der mitte einen großen roten stern hat, erbe sozialistischer zeiten und heute abfahrtsort für die meisten überland busse innerhalb benins)zemmen, um dann dort auf "meinen" confort line bus mit ziel tanguieta zu warten. der kam dann auch 28 minuten später an, so dass wir um punkt sieben losfahren konnten. in bohicon, drei stunden später und schon viel heißer, stieg dann sabine zu und wir setzten die reise gemeinsam fort. der sahara immer näher kommend wurde es von stunde zu stunde immer heißer. wir redeten uns ein, dass es auch trockener wurde. alle paar stunden gab es "pause-pipi", männer rechts, frauen links. vorbei an kleinen ortschaften, die einen irgendwie an den wilden-westen erinnerten, leer, staubig, heiß... und rechts und links von der straße gebaut ;) dassa, savalou, djougu... das waren noch die größten.
ein bus ist ja nicht nur da, um personen zu befördern (wobei das auch schon reichen könnte... die ganzen stopps kosteten uns bestimmt ne stunde, wenn nicht mehr), sondern auch gleichzeitig ein post- und umzugswagen. also post funktioniert so, man gibt bei dem büro in cotonou einen brief ab, da steht dann ein name, eine handynummer und ein ort drauf. der ort sollte möglichst da sein, wo der bus auch hält oder noch besser, auch ein büro hat. dann wird in dem büro der brief hinterlegt und der empfänger kann sich denn abholen (gegen bekanntgabe seiner handynummer, die auf dem brief steht, quasi handy-ident-verfahren). wenn es kein büro gibt, dann wird der empfänger auch schonmal aus dem bus aus angerufen und bekommt den brief dann frei haus geliefert. dafür fährt der bus dann von der straße runter (einer von vielleicht drei geteerten straßen im ganzen land), und steht im hang, so dass man denkt, gleich vollbeladen umzukippen, und wartet auf den glücklichen. umzugswagen deshalb, weil man auch seine möbel, natürlich zerlegt, mitgeben kann. der fahrtpreis ist sogar all-inclusive. man bekommt auch ein sandwich und ein tütchen wasser. und wir haben sogar eine mango geschenkt bekommen. aber nur weil wir so ungläubig schauten, als gegen ende der fahrt, wir kamen ins mangoland, der bus mindestens viermal anhielt, um mangos in rauen mengen zu kaufen. also natürlich die insassen. es gibt so bestimmte spots auf dem weg, da warten unter einem -natürlich- mangobaum um die fünfzehn frauen und kinder, die schüsselweise und manchmal bergeweise mangos vor sich stehen haben. und dann klettern die mitfahrer raus, packen ihre zementsäcke (beliebte einkaufstüte) aus und feilschen um die mangos. also ein sack mangos, oder alternativ eine kiste ist für gut 1000 bis 2000 CFA, umgerechnet 1,5 bis 3€ zu haben. unglaublich. und auch unglaublich, was man mit so vielen mangos macht. auf nachfrage bekamen wir ein "pour la famille" und eine mango.
gegen 18h kamen wir dann in tanguieta an, wo wir uns erst weigerten ein zem zu nehmen, weil das doch hier so klein ist, und da können wir ohne probleme laufen, bis uns ein mann das zem bezahlen wollte und wir dann nachgaben. ok, er hatte recht, bis zum hotel baobab war es weiter als wir dachten. dort hatten wir einige verständigungsschwierigkeiten mit dem mann an der rezeption, und das, obwohl wir beide französisch sprachen. mhm, schließlich fanden wir aber heraus, welches unser zimmer war, und dass unsere freunde aus ouagadougou noch nicht angekommen waren. die ließen aber nicht lange auf sich warten, jessica und liesa hatten zwar eine buspanne und viel warten hinter sich, kamen aber sogar noch im hellen. beim gemeinsamen abendessen planten wir die kommenden zwei tage. unbedingt parc und das pays somba. das hotel wollte uns auch fahrer und auto stellen, allerdings zu ganz anderen preisen als vorher in erfahrung gebracht. hm, zähe verhandlungen brachten uns dann doch zu dem gewünschten ergebnis.
am nächsten morgen ging es dann los richtung natitingou und dann ins pays somba. die somba sind eine ethnie, die wiederum aus vier unter-ethnien besteht. jede für sich hat eine spezielle art, ihre häuser, die kleinen festungen gleichen, und tatas genannt werden, zu bauen. erklärt wurde diese bauweise folgendermaßen. zur zeit der sklavenjagd in benin, mussten sich die menschen aus dem norden taktiken einfallen lassen um nicht in die hände der jäger aus dem süden zu fallen. also bauten sie häuser wie festungen, in denen man mehrere tage wenn nicht sogar wochen wohnen konnte. im erdgeschoss sind die tiere, dazwischen ist platz für aufbewahrung und ganz oben sind die schlafräume und kornspeicher. die jäger kamen an die bewohner nicht heran und waren auch nicht gewillt mehrer wochen auf der lauer zu liegen, da die ausbeute dann doch relativ gering war, denn die festungen standen ziemlich einsam auf weiter flur. und so zogen sie wieder ab. hiphiphurra für kluge bauweise. un weil man heute ja auch nicht so recht weiß, wer da so des weges kommen kann, haben sie das beibehalten ;) sehr zur freude der touristen, die immer mal wieder einen blick reinwerfen wollen und auf den schmalen holzleitern in die höheren etagen klettern und am ende auch noch ein milde gabe dalassen. meine meinung darüber ging so ein bisschen in zu viele richtungen, aber er war eigentlich schon ganz cool, mal zu klettern und siese kuriosen schlößchen anzusehen. und außerdem war das alles unser guide schulde, der uns am liebsten in jede tata reingeführt hätte, so dass wir am ende sagen mussten "du, passt schon" und er fast beleidigt war.
am nächsten tag stand dann der pendjari parc auf dem plan. aufstehen irgendwann gegen halb fünf, losfahren gegen halb sechs. im parc dann doch erst gegen halb sieben, am ersten wasserloch noch ne stunde später. zu spät. keine tiere da. also keine tollen, nur son paar büffel, vögel, gemsen. ich bin eben kein safari-typ. so brausten wir den ganzen tag über staubig rote pisten, sahen hier einen vogel, da einen büffel, dort ein schweinchen, hier wieder ein paar andere yovos... und das alles bei fast vierzig grad. am liebsten hätte ich mich in den schatten an den pool des hotels mitten im parc gelegt. aber es ging nicht, der löwe wollte gefunden werden. oder zumindest der versuch musste unternommen werden. und so fuhren wir und fuhren, ich weiß nicht wie lange, aber wir waren sogar mal in burkina faso. für zehn minuten. sieht an der stelle dann auch nicht anders aus als benin, auch wenn die anderen behaupteten, man könne die trockenheit quasi schon sehen... naja. und es ging irgendwie immer so weiter. ein wasserloch nach dem anderen, ein schlagloch nach dem anderen. oh, da, nilpferde. anhalten, aussteigen, fotos machen, weiterfahren. hm, schau, vögel. foto. dann irgendwann mittagspause. danach wieder fahren, fahren, fahren, dann plötzlich ein schrei (ich glaube leider, dass ich das war), ein elephant. vor uns auf der straße. geht ins gebüsch, wir fahren langsam weiter, schauen, staunen... er schaut auch. und rennt plötzlich los, direkt auf uns zu. fahrer versucht zu fahren, geht nicht, elephant bleibt kurz vor uns in den zweigen von so nem baum hängen, geht zurück und verschwindet. wow. krass. beinahe von einem elephanten über den haufen gerannt worden. aber das war es dann auch schon fast. noch mal viel fahren, wasserloch links, vögel rechts. fotos. dann irgendwann raus aus dem parc, mittlerweile ist es bedrohlich dunkel geworden und ein wahnsinns sturm schaffte es, dass der sand zwischen den zähnen knirschte... dann nochmal schnell abstecher zu einem wasserfall, bisschen klettern, bisschen schwimmen, und wieder zurück. mittlerweile echt dunkel. und windig. und regen. viel regen. es gewitterte die ganze nacht, so dass man dachte, dass das strohdach der hütte eigentlich in der nächsten sekunde wegfliegen müsste. aber das passierte nicht, es regnete auch nicht rein. gute isolierung ;) am nächsten morgen dann aufbruch wieder richtung cotonou/bohicon und ouagadougou, gut zehn stunden fahrt... leider ging es mir ab da nicht gut, so dass ich die einzelheiten der busfahrt mal ausspare. aber habe mich selten so gefreut wieder daheim zu sein und einfach nur eine tasse tee zu trinken und ins bett zu gehen...
fazit: wow, der norden ist echt super schön!! und rauskommen aus cotonou ist immer gut, vor allem wenn man dann auch noch mit so netten leuten zusammen ist. warum mach ich das nicht öfter? ach ja, ich hab es fast vergessen... ich muss meinen urlaub beantragen...
und: peel it, cook it or forget it.. gilt auch für ungewaschene mangos, die ich mal als übeltäter des auf die reise folgenden übels bestimme...