als ich hier ankam, da war es trocken, staubig und mit unter kühl am morgen und in den abendstunden. aber trotzdem hatte es manchmal ein bisschen geregnet. und tagsüber hatte ich immer das gefühl in einem gewächshaus zu wandeln. aber alle sagten „nein nein, das ist doch jetzt die trockenzeit, die beste zeit im jahr, schön kühl, viel sonne, aber ein bisschen mit den nachteilen des harmattan-windes aus dem norden: roter staub überall, auch in den schränken...“. mhm, das wollte ich nicht so richtig glauben, aber auch der reiseführer und das internet bekräftigten diese aussagen. ab mitte februar wurde es dann heiß und so richtig schön schwühl, gewächshaus wäre plötzlich eine angenehme alternative gewesen. mittags eigentlich nicht auszuhalten, am besten in kühlen räumen, ohne viel bewegung; das erste mal erschien mir eine fast dreistündige mittagspause sinnvoll. wenn sich richtig viel hitze über der stadt angestaut hatte, dann gab es auch schon mal ein gewitter, so wie man das aus deutschen sommern kennt. hier nur ein bisschen heftiger... da nützt keine regenjacke, kein schirm... nur rennen. aber es war immer noch nicht das, was man hier weitläufig als regenzeit bezeichnet. und die ja auch erst ab april beginnen sollte. mhm, aber woran macht man das eigentlich fest, dass es nun regenzeit ist? denn meine befürchtung, dass es dann tag ein tag aus in strömen regnet, scheint sich auch nicht zu bestätigen. also zumindest wollte mir das keiner bestätigen... vielleicht kommt es ja auch noch. aber mittlerweile ist fast ende mai, und man hängt irgendwo dazwischen. klimawandel vielleicht? das scheint ja eine gute ausrede für alles zu sein. schnee im april, fünfzehn grad an weihnachten und dann eben noch keine regenzeit im mai. dabei regnet es jetzt öfter. mehrmals die woche. aber leider noch nicht regelmäßig. denn regen ist hier ja sowas von genial. zuerst wird es dunkel, so dass man egal zu welcher tageszeit das licht anmachen muss (wenn man denn strom hat, denn der scheint ein faible dafür zu haben, bei regen auszufallen, genauso wie das telefonnetz). dann kommt ein wind auf, nein eigentlich ein sturm. und der wirbelt alles auf, was so in der gegend herum liegt... das ist in so ner großstadt einiges. und besonders ungünstig, wenn man noch schnell nach hause will und auf einem moped sitzt, dass eigentlich auch nur nach hause will, umgeben von vielen anderen mopeds, die das gleiche wollen... und deshalb dementsprechend fahren. ohne regeln, ohne rücksicht. und während es schon in der ferne blitzt und donnerst saust also dieses zem die straße runter, man selber kann leider nichts mehr sehen, vor lauter sand und dreck, der einem in die augen fliegt, und hofft inbrünstigst, dass der fahrer die augen nicht geschlossen hat... meistens schafft man es auch, mit den ersten dicken tropfen das haus zu erreichen (wenn man nicht eh schon drinnen ist, oder aus der not heraus irgendwo hält, um sich unterzustellen). unterstellen ist deshalb ungünstig, weil es a) wenig zum unterstellen gibt und man b) nicht weiß, wie lange das denn dauern wird. unter einer stunde gab es noch nie. drei und mehr ist durchaus üblich. meistens hört man den wolkenbruch heranrollen, das ist ein ganz komisches geräusch. aus der ferne kommt ein prasseln, ein rauschen, das immer lauter wird und schließlich einfach da ist. unter dem die bäume sich biegen, der sand weicht, die menschen fluchtartig rennen. es wie ein vorhang, manchmal sieht man tatsächlich nichts mehr. nur dann, wenn der blitz wieder alles taghell erleuchtet. denn es ist nicht nur ein gewaltiger regen, es ist auch immer ein gewitter, mit blitzen und donnern, die mich jedesmal aufschrecken lassen. und oft hört man vor lauter regen auch nichts mehr. also wenn das telefonnetz mal funktioniert, dann kann man sich sicher sein, dass man den gesprächspartner nicht verstehen wird. in dieser zeit kann man nicht viel machen, zumindest nicht viel, was mit arbeit zu tun hat. es sei denn, man ist auf der arbeit... man ist von der welt getrennt. meist ist der strom weg, so dass man im kerzenschein lesen kann. oder backen, denn der ofen geht über gas. oder handarbeiten. wie vor hundert jahren irgendwie... und es fahren auch keine zems, was auch unklug von denen wäre, wenn es es doch machen würden, denn man wäre in wenigen sekunden bis auf die haut naß. und selbst die autos habens schwer. erstmal muss man zu seinem auto kommen, dann muss man sich den weg bahnen, denn die scheibenwischer sind total überfordert und die straßen gleichen einer großen pfütze und schließlich muss man aufpassen, dass man nicht in einem schlagloch absäuft, denn die laufen so schnell voll mit wasser und sehen dann gar nicht so tief aus, wie sie eigentlich sind...und wenn man dann trotzdem naß im büro ankommt, stellt man fest, dass die kollegen dieses abenteuer nicht gewagt haben...
am besten bleibt man bei so einem wetter also zu hause im bett. da macht man dann die fenster weit auf, damit der kühle wind gut durchziehen kann (meistens kommt der regen von der seite, wo ich einen balkon habe, so dass es sehr selten wirklich naß im zimmer wird) und hört zu. dem regen, dem wind. das ist echt wunderschön. und ist super fürs nachdenken, einfach nur liegen und denken. herrlich.
gestern war so ein tag. da hat es morgens schon geregnet, mittags mal aufgehört, und abends wieder angefangen. eigentlich hat es die ganze nacht geregnet. und gedonnert. ein donner war so laut, dass wir dachten, das haus gegenüber von uns muss eingestürzt sein. war es aber doch nicht... und überhaupt riecht die luft dann so gut...
also ist das nun regenzeit? obwohl es die vier tage zuvor nicht geregnet hat? eigentlich ist mir das egal, wie man das nennt, denn es ist toll und ich mag es. also soll es doch sein. und jeden tag regen wär ja auch unpraktisch, weil dann käm ich zu nichts mehr, außer denken und die pfützen könnten nicht trocknen. und dann bräuchte der ded keine dienstwagen sondern boote. eigentlich auch toll...
Sonntag, 25. Mai 2008
Donnerstag, 15. Mai 2008
Nachtrag: Ausflug in den hohen Norden
am ersten mai machte ich mich morgens um sechs uhr auf in richtung nord-benin. im dunkeln ließ ich mich zum etoile-rouge (größter kreisverkehr cotonous, der in der mitte einen großen roten stern hat, erbe sozialistischer zeiten und heute abfahrtsort für die meisten überland busse innerhalb benins)zemmen, um dann dort auf "meinen" confort line bus mit ziel tanguieta zu warten. der kam dann auch 28 minuten später an, so dass wir um punkt sieben losfahren konnten. in bohicon, drei stunden später und schon viel heißer, stieg dann sabine zu und wir setzten die reise gemeinsam fort. der sahara immer näher kommend wurde es von stunde zu stunde immer heißer. wir redeten uns ein, dass es auch trockener wurde. alle paar stunden gab es "pause-pipi", männer rechts, frauen links. vorbei an kleinen ortschaften, die einen irgendwie an den wilden-westen erinnerten, leer, staubig, heiß... und rechts und links von der straße gebaut ;) dassa, savalou, djougu... das waren noch die größten.
ein bus ist ja nicht nur da, um personen zu befördern (wobei das auch schon reichen könnte... die ganzen stopps kosteten uns bestimmt ne stunde, wenn nicht mehr), sondern auch gleichzeitig ein post- und umzugswagen. also post funktioniert so, man gibt bei dem büro in cotonou einen brief ab, da steht dann ein name, eine handynummer und ein ort drauf. der ort sollte möglichst da sein, wo der bus auch hält oder noch besser, auch ein büro hat. dann wird in dem büro der brief hinterlegt und der empfänger kann sich denn abholen (gegen bekanntgabe seiner handynummer, die auf dem brief steht, quasi handy-ident-verfahren). wenn es kein büro gibt, dann wird der empfänger auch schonmal aus dem bus aus angerufen und bekommt den brief dann frei haus geliefert. dafür fährt der bus dann von der straße runter (einer von vielleicht drei geteerten straßen im ganzen land), und steht im hang, so dass man denkt, gleich vollbeladen umzukippen, und wartet auf den glücklichen. umzugswagen deshalb, weil man auch seine möbel, natürlich zerlegt, mitgeben kann. der fahrtpreis ist sogar all-inclusive. man bekommt auch ein sandwich und ein tütchen wasser. und wir haben sogar eine mango geschenkt bekommen. aber nur weil wir so ungläubig schauten, als gegen ende der fahrt, wir kamen ins mangoland, der bus mindestens viermal anhielt, um mangos in rauen mengen zu kaufen. also natürlich die insassen. es gibt so bestimmte spots auf dem weg, da warten unter einem -natürlich- mangobaum um die fünfzehn frauen und kinder, die schüsselweise und manchmal bergeweise mangos vor sich stehen haben. und dann klettern die mitfahrer raus, packen ihre zementsäcke (beliebte einkaufstüte) aus und feilschen um die mangos. also ein sack mangos, oder alternativ eine kiste ist für gut 1000 bis 2000 CFA, umgerechnet 1,5 bis 3€ zu haben. unglaublich. und auch unglaublich, was man mit so vielen mangos macht. auf nachfrage bekamen wir ein "pour la famille" und eine mango.
gegen 18h kamen wir dann in tanguieta an, wo wir uns erst weigerten ein zem zu nehmen, weil das doch hier so klein ist, und da können wir ohne probleme laufen, bis uns ein mann das zem bezahlen wollte und wir dann nachgaben. ok, er hatte recht, bis zum hotel baobab war es weiter als wir dachten. dort hatten wir einige verständigungsschwierigkeiten mit dem mann an der rezeption, und das, obwohl wir beide französisch sprachen. mhm, schließlich fanden wir aber heraus, welches unser zimmer war, und dass unsere freunde aus ouagadougou noch nicht angekommen waren. die ließen aber nicht lange auf sich warten, jessica und liesa hatten zwar eine buspanne und viel warten hinter sich, kamen aber sogar noch im hellen. beim gemeinsamen abendessen planten wir die kommenden zwei tage. unbedingt parc und das pays somba. das hotel wollte uns auch fahrer und auto stellen, allerdings zu ganz anderen preisen als vorher in erfahrung gebracht. hm, zähe verhandlungen brachten uns dann doch zu dem gewünschten ergebnis.
am nächsten morgen ging es dann los richtung natitingou und dann ins pays somba. die somba sind eine ethnie, die wiederum aus vier unter-ethnien besteht. jede für sich hat eine spezielle art, ihre häuser, die kleinen festungen gleichen, und tatas genannt werden, zu bauen. erklärt wurde diese bauweise folgendermaßen. zur zeit der sklavenjagd in benin, mussten sich die menschen aus dem norden taktiken einfallen lassen um nicht in die hände der jäger aus dem süden zu fallen. also bauten sie häuser wie festungen, in denen man mehrere tage wenn nicht sogar wochen wohnen konnte. im erdgeschoss sind die tiere, dazwischen ist platz für aufbewahrung und ganz oben sind die schlafräume und kornspeicher. die jäger kamen an die bewohner nicht heran und waren auch nicht gewillt mehrer wochen auf der lauer zu liegen, da die ausbeute dann doch relativ gering war, denn die festungen standen ziemlich einsam auf weiter flur. und so zogen sie wieder ab. hiphiphurra für kluge bauweise. un weil man heute ja auch nicht so recht weiß, wer da so des weges kommen kann, haben sie das beibehalten ;) sehr zur freude der touristen, die immer mal wieder einen blick reinwerfen wollen und auf den schmalen holzleitern in die höheren etagen klettern und am ende auch noch ein milde gabe dalassen. meine meinung darüber ging so ein bisschen in zu viele richtungen, aber er war eigentlich schon ganz cool, mal zu klettern und siese kuriosen schlößchen anzusehen. und außerdem war das alles unser guide schulde, der uns am liebsten in jede tata reingeführt hätte, so dass wir am ende sagen mussten "du, passt schon" und er fast beleidigt war.
am nächsten tag stand dann der pendjari parc auf dem plan. aufstehen irgendwann gegen halb fünf, losfahren gegen halb sechs. im parc dann doch erst gegen halb sieben, am ersten wasserloch noch ne stunde später. zu spät. keine tiere da. also keine tollen, nur son paar büffel, vögel, gemsen. ich bin eben kein safari-typ. so brausten wir den ganzen tag über staubig rote pisten, sahen hier einen vogel, da einen büffel, dort ein schweinchen, hier wieder ein paar andere yovos... und das alles bei fast vierzig grad. am liebsten hätte ich mich in den schatten an den pool des hotels mitten im parc gelegt. aber es ging nicht, der löwe wollte gefunden werden. oder zumindest der versuch musste unternommen werden. und so fuhren wir und fuhren, ich weiß nicht wie lange, aber wir waren sogar mal in burkina faso. für zehn minuten. sieht an der stelle dann auch nicht anders aus als benin, auch wenn die anderen behaupteten, man könne die trockenheit quasi schon sehen... naja. und es ging irgendwie immer so weiter. ein wasserloch nach dem anderen, ein schlagloch nach dem anderen. oh, da, nilpferde. anhalten, aussteigen, fotos machen, weiterfahren. hm, schau, vögel. foto. dann irgendwann mittagspause. danach wieder fahren, fahren, fahren, dann plötzlich ein schrei (ich glaube leider, dass ich das war), ein elephant. vor uns auf der straße. geht ins gebüsch, wir fahren langsam weiter, schauen, staunen... er schaut auch. und rennt plötzlich los, direkt auf uns zu. fahrer versucht zu fahren, geht nicht, elephant bleibt kurz vor uns in den zweigen von so nem baum hängen, geht zurück und verschwindet. wow. krass. beinahe von einem elephanten über den haufen gerannt worden. aber das war es dann auch schon fast. noch mal viel fahren, wasserloch links, vögel rechts. fotos. dann irgendwann raus aus dem parc, mittlerweile ist es bedrohlich dunkel geworden und ein wahnsinns sturm schaffte es, dass der sand zwischen den zähnen knirschte... dann nochmal schnell abstecher zu einem wasserfall, bisschen klettern, bisschen schwimmen, und wieder zurück. mittlerweile echt dunkel. und windig. und regen. viel regen. es gewitterte die ganze nacht, so dass man dachte, dass das strohdach der hütte eigentlich in der nächsten sekunde wegfliegen müsste. aber das passierte nicht, es regnete auch nicht rein. gute isolierung ;) am nächsten morgen dann aufbruch wieder richtung cotonou/bohicon und ouagadougou, gut zehn stunden fahrt... leider ging es mir ab da nicht gut, so dass ich die einzelheiten der busfahrt mal ausspare. aber habe mich selten so gefreut wieder daheim zu sein und einfach nur eine tasse tee zu trinken und ins bett zu gehen...
fazit: wow, der norden ist echt super schön!! und rauskommen aus cotonou ist immer gut, vor allem wenn man dann auch noch mit so netten leuten zusammen ist. warum mach ich das nicht öfter? ach ja, ich hab es fast vergessen... ich muss meinen urlaub beantragen...
und: peel it, cook it or forget it.. gilt auch für ungewaschene mangos, die ich mal als übeltäter des auf die reise folgenden übels bestimme...
ein bus ist ja nicht nur da, um personen zu befördern (wobei das auch schon reichen könnte... die ganzen stopps kosteten uns bestimmt ne stunde, wenn nicht mehr), sondern auch gleichzeitig ein post- und umzugswagen. also post funktioniert so, man gibt bei dem büro in cotonou einen brief ab, da steht dann ein name, eine handynummer und ein ort drauf. der ort sollte möglichst da sein, wo der bus auch hält oder noch besser, auch ein büro hat. dann wird in dem büro der brief hinterlegt und der empfänger kann sich denn abholen (gegen bekanntgabe seiner handynummer, die auf dem brief steht, quasi handy-ident-verfahren). wenn es kein büro gibt, dann wird der empfänger auch schonmal aus dem bus aus angerufen und bekommt den brief dann frei haus geliefert. dafür fährt der bus dann von der straße runter (einer von vielleicht drei geteerten straßen im ganzen land), und steht im hang, so dass man denkt, gleich vollbeladen umzukippen, und wartet auf den glücklichen. umzugswagen deshalb, weil man auch seine möbel, natürlich zerlegt, mitgeben kann. der fahrtpreis ist sogar all-inclusive. man bekommt auch ein sandwich und ein tütchen wasser. und wir haben sogar eine mango geschenkt bekommen. aber nur weil wir so ungläubig schauten, als gegen ende der fahrt, wir kamen ins mangoland, der bus mindestens viermal anhielt, um mangos in rauen mengen zu kaufen. also natürlich die insassen. es gibt so bestimmte spots auf dem weg, da warten unter einem -natürlich- mangobaum um die fünfzehn frauen und kinder, die schüsselweise und manchmal bergeweise mangos vor sich stehen haben. und dann klettern die mitfahrer raus, packen ihre zementsäcke (beliebte einkaufstüte) aus und feilschen um die mangos. also ein sack mangos, oder alternativ eine kiste ist für gut 1000 bis 2000 CFA, umgerechnet 1,5 bis 3€ zu haben. unglaublich. und auch unglaublich, was man mit so vielen mangos macht. auf nachfrage bekamen wir ein "pour la famille" und eine mango.
gegen 18h kamen wir dann in tanguieta an, wo wir uns erst weigerten ein zem zu nehmen, weil das doch hier so klein ist, und da können wir ohne probleme laufen, bis uns ein mann das zem bezahlen wollte und wir dann nachgaben. ok, er hatte recht, bis zum hotel baobab war es weiter als wir dachten. dort hatten wir einige verständigungsschwierigkeiten mit dem mann an der rezeption, und das, obwohl wir beide französisch sprachen. mhm, schließlich fanden wir aber heraus, welches unser zimmer war, und dass unsere freunde aus ouagadougou noch nicht angekommen waren. die ließen aber nicht lange auf sich warten, jessica und liesa hatten zwar eine buspanne und viel warten hinter sich, kamen aber sogar noch im hellen. beim gemeinsamen abendessen planten wir die kommenden zwei tage. unbedingt parc und das pays somba. das hotel wollte uns auch fahrer und auto stellen, allerdings zu ganz anderen preisen als vorher in erfahrung gebracht. hm, zähe verhandlungen brachten uns dann doch zu dem gewünschten ergebnis.
am nächsten morgen ging es dann los richtung natitingou und dann ins pays somba. die somba sind eine ethnie, die wiederum aus vier unter-ethnien besteht. jede für sich hat eine spezielle art, ihre häuser, die kleinen festungen gleichen, und tatas genannt werden, zu bauen. erklärt wurde diese bauweise folgendermaßen. zur zeit der sklavenjagd in benin, mussten sich die menschen aus dem norden taktiken einfallen lassen um nicht in die hände der jäger aus dem süden zu fallen. also bauten sie häuser wie festungen, in denen man mehrere tage wenn nicht sogar wochen wohnen konnte. im erdgeschoss sind die tiere, dazwischen ist platz für aufbewahrung und ganz oben sind die schlafräume und kornspeicher. die jäger kamen an die bewohner nicht heran und waren auch nicht gewillt mehrer wochen auf der lauer zu liegen, da die ausbeute dann doch relativ gering war, denn die festungen standen ziemlich einsam auf weiter flur. und so zogen sie wieder ab. hiphiphurra für kluge bauweise. un weil man heute ja auch nicht so recht weiß, wer da so des weges kommen kann, haben sie das beibehalten ;) sehr zur freude der touristen, die immer mal wieder einen blick reinwerfen wollen und auf den schmalen holzleitern in die höheren etagen klettern und am ende auch noch ein milde gabe dalassen. meine meinung darüber ging so ein bisschen in zu viele richtungen, aber er war eigentlich schon ganz cool, mal zu klettern und siese kuriosen schlößchen anzusehen. und außerdem war das alles unser guide schulde, der uns am liebsten in jede tata reingeführt hätte, so dass wir am ende sagen mussten "du, passt schon" und er fast beleidigt war.
am nächsten tag stand dann der pendjari parc auf dem plan. aufstehen irgendwann gegen halb fünf, losfahren gegen halb sechs. im parc dann doch erst gegen halb sieben, am ersten wasserloch noch ne stunde später. zu spät. keine tiere da. also keine tollen, nur son paar büffel, vögel, gemsen. ich bin eben kein safari-typ. so brausten wir den ganzen tag über staubig rote pisten, sahen hier einen vogel, da einen büffel, dort ein schweinchen, hier wieder ein paar andere yovos... und das alles bei fast vierzig grad. am liebsten hätte ich mich in den schatten an den pool des hotels mitten im parc gelegt. aber es ging nicht, der löwe wollte gefunden werden. oder zumindest der versuch musste unternommen werden. und so fuhren wir und fuhren, ich weiß nicht wie lange, aber wir waren sogar mal in burkina faso. für zehn minuten. sieht an der stelle dann auch nicht anders aus als benin, auch wenn die anderen behaupteten, man könne die trockenheit quasi schon sehen... naja. und es ging irgendwie immer so weiter. ein wasserloch nach dem anderen, ein schlagloch nach dem anderen. oh, da, nilpferde. anhalten, aussteigen, fotos machen, weiterfahren. hm, schau, vögel. foto. dann irgendwann mittagspause. danach wieder fahren, fahren, fahren, dann plötzlich ein schrei (ich glaube leider, dass ich das war), ein elephant. vor uns auf der straße. geht ins gebüsch, wir fahren langsam weiter, schauen, staunen... er schaut auch. und rennt plötzlich los, direkt auf uns zu. fahrer versucht zu fahren, geht nicht, elephant bleibt kurz vor uns in den zweigen von so nem baum hängen, geht zurück und verschwindet. wow. krass. beinahe von einem elephanten über den haufen gerannt worden. aber das war es dann auch schon fast. noch mal viel fahren, wasserloch links, vögel rechts. fotos. dann irgendwann raus aus dem parc, mittlerweile ist es bedrohlich dunkel geworden und ein wahnsinns sturm schaffte es, dass der sand zwischen den zähnen knirschte... dann nochmal schnell abstecher zu einem wasserfall, bisschen klettern, bisschen schwimmen, und wieder zurück. mittlerweile echt dunkel. und windig. und regen. viel regen. es gewitterte die ganze nacht, so dass man dachte, dass das strohdach der hütte eigentlich in der nächsten sekunde wegfliegen müsste. aber das passierte nicht, es regnete auch nicht rein. gute isolierung ;) am nächsten morgen dann aufbruch wieder richtung cotonou/bohicon und ouagadougou, gut zehn stunden fahrt... leider ging es mir ab da nicht gut, so dass ich die einzelheiten der busfahrt mal ausspare. aber habe mich selten so gefreut wieder daheim zu sein und einfach nur eine tasse tee zu trinken und ins bett zu gehen...
fazit: wow, der norden ist echt super schön!! und rauskommen aus cotonou ist immer gut, vor allem wenn man dann auch noch mit so netten leuten zusammen ist. warum mach ich das nicht öfter? ach ja, ich hab es fast vergessen... ich muss meinen urlaub beantragen...
und: peel it, cook it or forget it.. gilt auch für ungewaschene mangos, die ich mal als übeltäter des auf die reise folgenden übels bestimme...
Montag, 28. April 2008
wenn man mal was anderes machen will....
... dann kann man es einfach machen, oder damit drohen, dass man sonst gehen würde, und zwar ohne mit der wimper zu zucken, oder man schlägt es erstmal vor und schreibt einen antrag auf versetzung.
ich habe mich für letztere möglichkeit, weil mir meine stelle nicht so sehr zusagte (kennt das jemand, wenn er sich nicht ausgelastet fühlt? also so gar nicht?), entschieden, auch wenn ich mir dachte, dass ich mich damit in die mühlen der bürokratie dieser struktur begeben würde. und so war es dann auch. gespräche, antrag schreiben, antrag abgeben, warten, warten, gespräch mit mittlerer entscheidungsinstanz, warten, warten, gespräch mit oberster instanz, nachdenken, warten, gespräch mit mittlerer instanz, einsehen (oder auch nicht). antrag zurück nehmen, neue ausrichtung der alten stelle machen. es würde zu weit führen, wenn ich die genauen hintergründe meines tuns hier erkläre, aber ja, der stein wurde angestoßen und er rollte und rollte... und jetzt bin ich zwar auch um keine neue stelle reicher, aber um eine modifizierte alte, immerhin.
und wie kann man sich diese vorstellen? also von der grundsätzlichen problematik, dass vielleicht viele nicht verstehen, was ich hier überhaupt jemals wollte, ja was ich überhaupt studiert habe, ja was das alles soll... mal abgesehen, kann ich es ja mal versuchen zu erklären. vor meiner zeit in benin herrschte das chaos, die buchstäbliche flut. unzählige geber machen was sie wollen, investieren wo sie wollen und arbeiten zusammen mit wem sie wollen. wenn sie pech haben, stellen sie eines tages fest, dass im gleichen departement, bezirk oder gar dorf eine andere organisation schon was ähnliches oder vielleicht exakt das gleiche macht. mhm. blöd. wenn das mal rauskommt. schlecht. also wurde überlegt, es wäre doch toll, wenn es jemanden gäbe, der in einem bestimmten bereich mal erheben kann, wer eigentlich was macht. und wo. und mit wem. kurzum, sie wählten mich für diese stelle aus. gesagt getan, vorbereitung, ausreise. irgendwann in dieser zeit fand eine sitzung aller oberen etagen statt, wo man sich einigte, das nun selber zu machen. also das absprechen, das überhaupt sprechen. mhm. schön. gut. nur leider meine aufgabe futsch.
wie das so ist, dauert alles sehr lange, auch der tritt in den eigenen hintern, um etwas zu ändern. das habe ich dann aber mal getan und es war gar nicht so schlimm. und jetzt mache ich folgendes:
ich erhebe die wahrnehmung junger beniner in bezug auf armut... aha, mag der ein oder andere denken. das ganze ist vorarbeit für spätere ded-stellen, denn es soll viel mehr im bereich "jugendliche" gemacht werden, denn, aufgemerkt, in ein paar jahren wird der großteil der bevölkerung "jugendlich" sein. und darauf muss man ja vorbereitet sein.
ich suche mir also ein paar jugendgruppen, in cotonou, in porto-novo, im departement couffo und rede mit denen über armut. weil das aber gar nicht so einfach ist, also ich mir zumindest einige schwierigkeiten vorstellen kann, dürfte das einiges an vorarbeit erfordern. themenabende, diskussionsrunden, gruppenstunden... und wenn wir uns dann alle mal ausgetauscht haben, was wir denken, was und wer arm ist, dann überlegen wir uns, was man dagegen machen kann. und natürlich, wie man jugendliche und deren bedürfnisse besser in die nationalen armutsbekämpfungsstrategien einbinden kann (das musste rein...) und dann sehen wir (oder auch nur ich) zu, dass das ganze in eine ordentliche form gebracht wird, einen bericht oder so. und den bekommt dann das ministerium. oder zumindest das jugendparlament, von dem ich bis dato nicht weiß, ob es überhaupt außerhalb des papiers existiert.
wer jetzt immer noch findet, dass das ja alles ganz nett, aber bisschen unnötig ist, der darf das gerne weiter denken. vielleicht habe ich ja auch nicht überzeugend genug geschrieben. aber ich finde das gut. klar, da ist nachher kein brunnen, der paar jahre später wieder kaputt ist, sondern nur so ein bericht, den vielleicht keiner liest, in dem die eindrücke, die noch nicht mal repräsentativ sind, von ein paar jugendlichen gesammelt wurden. aber ich bin ja nunmal im bereich des "Appui à la societé civil", also stärkung der zivil-gesellschaft. und wo könnte man besser anfangen als bei jugendlichen? in einem land, wo das schulsystem so gar nicht zum selber denken anregt, und jugendliche bis zu einem alter von 35 als solche bezeichnet werden, ist es nicht unerheblich, ihre eigene, individuelle position zu stärken. und wenn es nur dadurch ist, ihnen gehör und aufmerksamkeit zu verschaffen und das, was sie sagen, ernst zu nehmen. so. und jetzt komm mir keiner mit steuergeldern und so, die verbrate ich bestimmt nicht. meine finanziellen ressourcen sind mein gehalt und vielleicht papier und stifte. verbraten tun andere. aber da will ich mal nicht ausholen.
und ich freu mich, auf das was da kommen mag. und was ich erleben werde. und vielleicht habt ihr auch glück, und ich schreib hier auch mal was davon rein. nette kleine geschichten, von netten leuten, so nett, dass sie dann bestimmt auch mit foto in den ded-brief kommen... mal sehen. ich habe andere ziele.
zum besipiel mal tourist sein. am donnerstag geht es los. um 6h zum bus, dann 10 - 14 h fahrt nach tanguieta ganz in den norden... und dann in den pendjari parc... und vielleicht eine echte safari. wow, erste richtige safari in afrika. ich bin gespannt. und noch gespannter bin ich, ob ich da überhaupt ankommen werde... naja wenn nicht, das ziel ist ja bekanntlich der weg
ich habe mich für letztere möglichkeit, weil mir meine stelle nicht so sehr zusagte (kennt das jemand, wenn er sich nicht ausgelastet fühlt? also so gar nicht?), entschieden, auch wenn ich mir dachte, dass ich mich damit in die mühlen der bürokratie dieser struktur begeben würde. und so war es dann auch. gespräche, antrag schreiben, antrag abgeben, warten, warten, gespräch mit mittlerer entscheidungsinstanz, warten, warten, gespräch mit oberster instanz, nachdenken, warten, gespräch mit mittlerer instanz, einsehen (oder auch nicht). antrag zurück nehmen, neue ausrichtung der alten stelle machen. es würde zu weit führen, wenn ich die genauen hintergründe meines tuns hier erkläre, aber ja, der stein wurde angestoßen und er rollte und rollte... und jetzt bin ich zwar auch um keine neue stelle reicher, aber um eine modifizierte alte, immerhin.
und wie kann man sich diese vorstellen? also von der grundsätzlichen problematik, dass vielleicht viele nicht verstehen, was ich hier überhaupt jemals wollte, ja was ich überhaupt studiert habe, ja was das alles soll... mal abgesehen, kann ich es ja mal versuchen zu erklären. vor meiner zeit in benin herrschte das chaos, die buchstäbliche flut. unzählige geber machen was sie wollen, investieren wo sie wollen und arbeiten zusammen mit wem sie wollen. wenn sie pech haben, stellen sie eines tages fest, dass im gleichen departement, bezirk oder gar dorf eine andere organisation schon was ähnliches oder vielleicht exakt das gleiche macht. mhm. blöd. wenn das mal rauskommt. schlecht. also wurde überlegt, es wäre doch toll, wenn es jemanden gäbe, der in einem bestimmten bereich mal erheben kann, wer eigentlich was macht. und wo. und mit wem. kurzum, sie wählten mich für diese stelle aus. gesagt getan, vorbereitung, ausreise. irgendwann in dieser zeit fand eine sitzung aller oberen etagen statt, wo man sich einigte, das nun selber zu machen. also das absprechen, das überhaupt sprechen. mhm. schön. gut. nur leider meine aufgabe futsch.
wie das so ist, dauert alles sehr lange, auch der tritt in den eigenen hintern, um etwas zu ändern. das habe ich dann aber mal getan und es war gar nicht so schlimm. und jetzt mache ich folgendes:
ich erhebe die wahrnehmung junger beniner in bezug auf armut... aha, mag der ein oder andere denken. das ganze ist vorarbeit für spätere ded-stellen, denn es soll viel mehr im bereich "jugendliche" gemacht werden, denn, aufgemerkt, in ein paar jahren wird der großteil der bevölkerung "jugendlich" sein. und darauf muss man ja vorbereitet sein.
ich suche mir also ein paar jugendgruppen, in cotonou, in porto-novo, im departement couffo und rede mit denen über armut. weil das aber gar nicht so einfach ist, also ich mir zumindest einige schwierigkeiten vorstellen kann, dürfte das einiges an vorarbeit erfordern. themenabende, diskussionsrunden, gruppenstunden... und wenn wir uns dann alle mal ausgetauscht haben, was wir denken, was und wer arm ist, dann überlegen wir uns, was man dagegen machen kann. und natürlich, wie man jugendliche und deren bedürfnisse besser in die nationalen armutsbekämpfungsstrategien einbinden kann (das musste rein...) und dann sehen wir (oder auch nur ich) zu, dass das ganze in eine ordentliche form gebracht wird, einen bericht oder so. und den bekommt dann das ministerium. oder zumindest das jugendparlament, von dem ich bis dato nicht weiß, ob es überhaupt außerhalb des papiers existiert.
wer jetzt immer noch findet, dass das ja alles ganz nett, aber bisschen unnötig ist, der darf das gerne weiter denken. vielleicht habe ich ja auch nicht überzeugend genug geschrieben. aber ich finde das gut. klar, da ist nachher kein brunnen, der paar jahre später wieder kaputt ist, sondern nur so ein bericht, den vielleicht keiner liest, in dem die eindrücke, die noch nicht mal repräsentativ sind, von ein paar jugendlichen gesammelt wurden. aber ich bin ja nunmal im bereich des "Appui à la societé civil", also stärkung der zivil-gesellschaft. und wo könnte man besser anfangen als bei jugendlichen? in einem land, wo das schulsystem so gar nicht zum selber denken anregt, und jugendliche bis zu einem alter von 35 als solche bezeichnet werden, ist es nicht unerheblich, ihre eigene, individuelle position zu stärken. und wenn es nur dadurch ist, ihnen gehör und aufmerksamkeit zu verschaffen und das, was sie sagen, ernst zu nehmen. so. und jetzt komm mir keiner mit steuergeldern und so, die verbrate ich bestimmt nicht. meine finanziellen ressourcen sind mein gehalt und vielleicht papier und stifte. verbraten tun andere. aber da will ich mal nicht ausholen.
und ich freu mich, auf das was da kommen mag. und was ich erleben werde. und vielleicht habt ihr auch glück, und ich schreib hier auch mal was davon rein. nette kleine geschichten, von netten leuten, so nett, dass sie dann bestimmt auch mit foto in den ded-brief kommen... mal sehen. ich habe andere ziele.
zum besipiel mal tourist sein. am donnerstag geht es los. um 6h zum bus, dann 10 - 14 h fahrt nach tanguieta ganz in den norden... und dann in den pendjari parc... und vielleicht eine echte safari. wow, erste richtige safari in afrika. ich bin gespannt. und noch gespannter bin ich, ob ich da überhaupt ankommen werde... naja wenn nicht, das ziel ist ja bekanntlich der weg
Dienstag, 8. April 2008
as time goes by
nein, das wird jetzt keine sentimental-verklärte-gefühlsduselige-ach-wie-lang-bin-ich-schon-hier-wer-hätte-das-gedacht-mail, das war nur grad das, was mir so eingefallen ist.
und genau betrachtet bin ich tatsächlich bald schon vier, four, quatre, quatro und so weiter monate hier... ein drittel der gesamt zeit. da darf man ja wohl mal ein bisschen sentimental werden. immerhin war ich noch nie so lange von zu hause, weg, also bayreuth nicht mitgezählt. aber bayreuth ist ja auch was ganz anderes. zumindest habe ich da nicht tägllich angst, dass die mücke, die meine knöchel maltretierte, mir auch malaria brachte, dass das mittagessen, dass ich schwitzend unter plastikplanen einnahm, wurm-und-was-sonst-noch frei war, und mir deshalb für dieses mal die amöben-rhur erspart bleibt oder ich einfach bei der nächsten zem-taxi-fahrt auch als blutiger klumpen auf dem asphalt ende... auch ist es hier nie so kalt wie in bayreuth, was ich bei "in den morgenstunden wird es in cotonou auf 26° abkühlen, am nachmittag dann 35° erreichen" wirklich bedauerlich finde. Hat ja auch was mit Kulturaustausch zu tun, ob man bei der deutschen Botschaft eine Tonne Kunstschnee bestellen kann? Also nur um das hier mal zu zeigen. Mein Desktop hat als Hintergrundbild mitlerweile auch ein foto des letzten skiurlaubs, da habe ich gleich das gefühl, es ist 10° kühler. aber es hilft ja alles nichts, man schwitzt und das sogar beim stillstehen, reden wir gar nicht erst übers übermäßige (gehen, draußen) bewegen unter gleißender sonne. heute abend werde ich das ganze noch eine stufe steigern, eine illustre truppe unsportlicher, oder zumindest unsportlich gewordener, dedler macht sich auf in die "hall du sport" um sich dort vom taekwondow-drill-instructor mal richtig fertig machen zu lassen. hoffentlich. denn müde und schlapp hocken wir tag ein tag aus in unseren bürodrehstühlen, lassen uns selbst den kaffee bringen und haben als einzige bewegung die drei treppen (wenn man wie ich auf dem dach residiert) im büro zu meistern... sowie abends und morgens noch die treppe im haus. wenn das mal nichts ist. leider macht da selbst der sportlichste körper irgendwann nicht mehr mit, er weigert sich, weiterhin die linie zu halten und straft seinen besitzer mit zu engen hosen, spannenden hemdknöpfen, kurzartmigkeit, allgemeiner schwabbeligkeit und dem gefühl, einem mehlsack (dem nassen) ähnlicher zu sein als seinem vorherigen astral-body. manche resignieren, die küche ist eben auch zu gut, und warum weniger essen, so lange man noch in sein auto klettern kann, gehen zum schneider und lassen sich die ganze garderobe in ein-zwei größen größer nachnähen... naja, und die anderen motzen erst ganz lange rum, essen weniger, merken keine veränderung, finden andere leidensgenossen, schließen sich zusammen um gemeinsam gegen den feind, die langsame verfettung, zu kämpfen. es fing erstmal mit schwimmen an, zusätzlich abends ein kleines workout unterm ventilator und jetzt das, auf in die richtige öffentlichkeit, unter leute, wieder schwitzen, aber diesmal mit guter absicht, und schmerzen, es wird bestimmt schmerzen... aber das muss dann wohl... wat mut, dat mut. hatte ich schon immer so eine aufopferungsvolle haltung, also mir selbst gegenüber? ich bin mir nicht sicher, vielleicht werde ich auch einfach wahnsinnig und keiner sagt mir bescheid. möglich wär's. und merken tut man das hier nicht, weil alle mit wahnsinnig werden. oder eben sport machen. so wie wir, wir sind nämlich nicht wahnsinnig.
hm, trotz klima mindestens 30°, das erklärt einiges, oder? also nicht verzweifeln, mir gehts gut. trotzdem mein reisepass angeschimmelt ist. ja, und meine wanderschuhe. und zwei taschen. und und und. ist das ein zeichen? aber welches bloß? ich bin überfragt und habe erstmal eine flasch essig gekauft, den billigen, für den schimmel nur das beste. jetzt riecht alles komisch. irgendwie nach essig. hm, die welt ist wundersam. naja, es gibt noch mehr kuriositäten, aber die habe ich mir vielleicht für ein ander mal auf, damit ich dann noch was zu erzählen habe, und nicht über figurprobleme und andere nichtigkeiten philosophiere. so. fertig.
neue fotos unter picasa, einfach auf einen der dia-kästen klicken, dann sollte man auch die anderen alben sehen können. richtig fertig.
und genau betrachtet bin ich tatsächlich bald schon vier, four, quatre, quatro und so weiter monate hier... ein drittel der gesamt zeit. da darf man ja wohl mal ein bisschen sentimental werden. immerhin war ich noch nie so lange von zu hause, weg, also bayreuth nicht mitgezählt. aber bayreuth ist ja auch was ganz anderes. zumindest habe ich da nicht tägllich angst, dass die mücke, die meine knöchel maltretierte, mir auch malaria brachte, dass das mittagessen, dass ich schwitzend unter plastikplanen einnahm, wurm-und-was-sonst-noch frei war, und mir deshalb für dieses mal die amöben-rhur erspart bleibt oder ich einfach bei der nächsten zem-taxi-fahrt auch als blutiger klumpen auf dem asphalt ende... auch ist es hier nie so kalt wie in bayreuth, was ich bei "in den morgenstunden wird es in cotonou auf 26° abkühlen, am nachmittag dann 35° erreichen" wirklich bedauerlich finde. Hat ja auch was mit Kulturaustausch zu tun, ob man bei der deutschen Botschaft eine Tonne Kunstschnee bestellen kann? Also nur um das hier mal zu zeigen. Mein Desktop hat als Hintergrundbild mitlerweile auch ein foto des letzten skiurlaubs, da habe ich gleich das gefühl, es ist 10° kühler. aber es hilft ja alles nichts, man schwitzt und das sogar beim stillstehen, reden wir gar nicht erst übers übermäßige (gehen, draußen) bewegen unter gleißender sonne. heute abend werde ich das ganze noch eine stufe steigern, eine illustre truppe unsportlicher, oder zumindest unsportlich gewordener, dedler macht sich auf in die "hall du sport" um sich dort vom taekwondow-drill-instructor mal richtig fertig machen zu lassen. hoffentlich. denn müde und schlapp hocken wir tag ein tag aus in unseren bürodrehstühlen, lassen uns selbst den kaffee bringen und haben als einzige bewegung die drei treppen (wenn man wie ich auf dem dach residiert) im büro zu meistern... sowie abends und morgens noch die treppe im haus. wenn das mal nichts ist. leider macht da selbst der sportlichste körper irgendwann nicht mehr mit, er weigert sich, weiterhin die linie zu halten und straft seinen besitzer mit zu engen hosen, spannenden hemdknöpfen, kurzartmigkeit, allgemeiner schwabbeligkeit und dem gefühl, einem mehlsack (dem nassen) ähnlicher zu sein als seinem vorherigen astral-body. manche resignieren, die küche ist eben auch zu gut, und warum weniger essen, so lange man noch in sein auto klettern kann, gehen zum schneider und lassen sich die ganze garderobe in ein-zwei größen größer nachnähen... naja, und die anderen motzen erst ganz lange rum, essen weniger, merken keine veränderung, finden andere leidensgenossen, schließen sich zusammen um gemeinsam gegen den feind, die langsame verfettung, zu kämpfen. es fing erstmal mit schwimmen an, zusätzlich abends ein kleines workout unterm ventilator und jetzt das, auf in die richtige öffentlichkeit, unter leute, wieder schwitzen, aber diesmal mit guter absicht, und schmerzen, es wird bestimmt schmerzen... aber das muss dann wohl... wat mut, dat mut. hatte ich schon immer so eine aufopferungsvolle haltung, also mir selbst gegenüber? ich bin mir nicht sicher, vielleicht werde ich auch einfach wahnsinnig und keiner sagt mir bescheid. möglich wär's. und merken tut man das hier nicht, weil alle mit wahnsinnig werden. oder eben sport machen. so wie wir, wir sind nämlich nicht wahnsinnig.
hm, trotz klima mindestens 30°, das erklärt einiges, oder? also nicht verzweifeln, mir gehts gut. trotzdem mein reisepass angeschimmelt ist. ja, und meine wanderschuhe. und zwei taschen. und und und. ist das ein zeichen? aber welches bloß? ich bin überfragt und habe erstmal eine flasch essig gekauft, den billigen, für den schimmel nur das beste. jetzt riecht alles komisch. irgendwie nach essig. hm, die welt ist wundersam. naja, es gibt noch mehr kuriositäten, aber die habe ich mir vielleicht für ein ander mal auf, damit ich dann noch was zu erzählen habe, und nicht über figurprobleme und andere nichtigkeiten philosophiere. so. fertig.
neue fotos unter picasa, einfach auf einen der dia-kästen klicken, dann sollte man auch die anderen alben sehen können. richtig fertig.
Dienstag, 25. März 2008
Auf nach Lomé
dank mohammed, der hier am freitag seinen geburtstag gefeiert hat, hatten wir tatsächlich vier tage am stück frei. also habe ich anfang der letzten woche überlegt, welche reiseziele mit wenig fahrtzeit verbunden sind und habe mich dann mitte der woche für lomé, der hauptstadt togos (150km, minus eine zeitzone) entschieden. praktischer weise hatte mandy, meine liebe mitbewohnerin aus bayreuth, die gleiche idee, allerdings startete sie von frankfurt und bleibt auch ein bisschen länger, nämlich ein jahr. nachdem die kommunikation ein bisschen erschwert wurde, weil sie so schnell kein handy und auch kein internet hatte, konnten wir dann doch donnerstag per sms die groben rahmendaten klären. da kam mir dann wieder ins bewusstsein, ich will ja über eine grenze, ich brauche ein visum. leider bisschen blöd, wenn einem das am tag vor der grenzüberquerung einfällt und es schon nachmittag ist... für die togoische botschaft in cotonou war es also zu spät. sämtliche leute, die ich zwecks visum befragte, sagten mir unterschiedliche dinge, die spannweite war von 48h bis 1 Monat... ich wollte ja eigentlich nur 3 Tage. leider waren sonntag und montag feiertag, so dass ich die visaverlängerung für den 48h-fall in lomé nicht würde machen können. in der hoffnung, es würde schon alles gut gehen, außerdem bin ich ja weiß, eine frau und in besitz eines dienstpasses (mit hinweis, den besitzer dieses passes schnell und unbürokratisch passieren zu lassen ;) ) entschied ich mich trotz gegenwind, die operation lomé zu starten. abends stellte sich noch heraus, dass eine kollegin eh am freitag richtung togoische grenze aufbrechen wollte, und mich bis comé mitnehmen könnte, von da aus könnte ich dann ganz einfach ein taxi nach lomé nehmen.
gesagt getan, mit gehöriger zeitverzögerung starteten wir freitag gegen halb zwei in cotonou. der feiertagsverkehr war leider schon da und so dauerte es, bis wir aus der stadt herauskamen. neben dem geburtstag von mohammed war auch noch karfreitag, und unzählige menschen formierten sich in kreuzzügen, äh kreuzwegen und blockierten mit ihrem aufmarsch (lautsprecher...) die straßen. nun gut, das alles hinter uns gelassen, befanden wir uns auf der straße richtung grenze... keine 10km gefahren bemerkte meine kollegin plötzlich, dass die bremsen blockieren und da sie kein gutes gefühl hatte, hielten wir an der nächsten möglichkeit und riefen den mechaniker an. der versprach dann auch "gleich" zu kommen, er sei quasi auf dem weg, und wir setzten uns in eine kleine buvette und warteten. zwei stunden später tauchte der gute mensch dann auf, fuhr eine dreiviertel stunde um den block und hatte schließlich das problem behoben (meine zwischenzeitlichen fragen, ob es nicht besser sei, ich würde von hier schon das taxi nehmen, wurden ausgeschlagen, es sei ja noch genug zeit). auto repariert, obligatorisches sucerie getrunken, und schon ging es weiter.. mittlerweile kurz vor 17h. man bedenke, noch 2 stunden bis dunkelheit, und dunkelheit ist verboten, also fahren in der dunkelheit und außerhalb der großen ortschaften. in comé angekommen, war leider kein taxi da, und alle die vorbeibrausten waren voll. normalerweise ist ja voll nicht gleich voll. also die normalen taxis sind hier einfache personenwagen, meisten älteren baujahres, wo bei uns hinten drei leute sitzen, sitzen hier auch schonmal 5 und vorne eben 3 (in der mitte liegt extra ein zusammengefaltetes stück stoff). leider hatten wir die halbe stunde der korrekten fahrere erwischt, die hatten hinten nur drei leute sitzen (also locker noch platz für mich), bestanden aber auf die einhaltung der verkehrsregeln... glücklicherweise stieg zufällig einer bei uns aus, und ich konnte hinein. es fing schon an zu dämmern, als wir richtung grenze brausten. dort musste ich mich erst der beninischen seite stellen, die unglaubliche 20min brauchte, um mir einen ausreisestempel zu geben. neben sämtlichen angaben, warum, wieso, wo, wie lange ich nach togo wolle, und warum ich denn verheiratet sei (habe so nen netten ring auf dem markt in cotonou erstanden, wirkt erstaunlich gut), in meinem pass aber keine kinder eingetragen seien... bekam ich den stempel (=tampon (ich unwissend "nein, brauche ich nicht...")) reingeknallt und konnte meinen marsch zur togoischen immigration fortsetzen, wo ich viel größere hürden erwartete. dort wurde ich aber vergleichsweise freundlich empfangen, und ich durfte ein aufgebot an bürokratie erleben. neben einem großen stempel bekam ich noch eine briefmarke und zwei kleine stempel nicht sehr liebevoll hineingeklatscht. ich musste ein großes formblatt (namen der eltern, adressen...) ausfüllen und zweimal irgendwas unterschreiben. schließlich galt das visum für sieben tage, womit sich meine größte sorge, ich könne mich für einen tag illegal im land auf halten, erledigt hatte. beim rausgehen sah ich noch einen großen teller, der voller stempel war... das scheint hier eine echte leidenschaft zu sein (naja, selbst in der apotheke stempeln sie einem jedes medikament einzeln mit "payé" ab), und ich will gar nicht wissen, was man sich sonst noch so alles in diesem büro erstempeln lassen kann.
mittlerweile schon ziemlich dämmrig fuhren wir von der grenze weg. leider gleich in einen stau, der mir immerhin ermöglichte, den mikrokosmos grenzgebiet zu betrachten. auf beiden seiten haben sich unzählige fliegende und stehende händler angesiedelt, von autoteilen, über voodoo-talismane bis geröstete schweineköpfe (essen, kein talisman) konnte man alles bekommen, bzw. vom fenster aus ordern. diese drive-in mentalität ist eigentlich ein extra eintrag wert... mal sehen.
die ersten eindrücke waren überwältigend. man fuhr über eine art brücke in die bucht von aneho rein und sah das meer und lange sandstrände mit palmen... dazu untergehende sonne. schön kitschig. leider hatte mein sitznachbar mich in ein "wenn man nach afrika kommt, sieht man doch nur die armut"-gespräch verwickelt, wo ich ihm in diesem moment nur wiedersprechen konnte, denn die landschaft war einfach zu schön. habe dann versucht, ihm was von nachhaltigem tourismus zu erzählen, wollte aber nicht so gut klappen. die letzte stunde fuhren wir in dunkelheit (ja, verboten, ich weiß), und irgendwann kamen wir in lomé an, wo mich mandy und fovi schon erwarteten. wir kletterten dann als bald auf zems und fuhren zu fovis familie. er wohnt in einem hof, zusammen mit ca. 25 anderen leuten, mit denen er auch meistens irgendwie verwandt ist. also in der mitte ist ein großer sandplatz und ein brunnen und drumherum gibt es verschiedene hütten/zimmer. wir wurden sehr herzlich begrüßt, zu meinem leidwesen auf ewe, der lokalen sprache im süden togos. mandy kann diese komplizierte sprache schon echt gut (für mich hörte sich alles wie eine mischung aus chinesisch und russisch an) und übersetzte mir dankenswerterweise. wir aßen zusammen (wow, bei den familien wird mal so richtig scharf gekocht.. kein vergleich zu der kantine in cotonou), quatschten und machten uns dann später auf zu mandy, die ein paar straßen weiter wohnte. nach erfolgreicher installation des moskitonetzes gingen wir zu viert noch eine cola trinken und quatschten viel über politik und afrika und deutschland. todmüde fielen wir irgendwann ins bett (ach ja, es ist dort ja auch zeitverschiebung, also für mich immer gefühlt eine stunde später) und plauderten noch bis wir irgendwann einschliefen. am morgen holte mandy dann mit ziemlichem geschick (ich wusste tatsächlich nicht, dass es eine spezielle technik dafür gibt) wasser aus dem brunnen, damit wir die toilette spülen und uns waschen konnten. nach einem schnellen frühstück auf der veranda (lekker avocado-mayo-baguette) machten wir uns auf nach lomé-central... bisschen sight-seeing. an einem sehr menschenleerem platz fanden wir die unabhängigkeitsstatue und ein ziemlich hässliches hotel. menschenleer, weil es verdammt heiß (wolkenloser himmel) war, häßliches hotel, keine ahnung warum. von dort aus liefen wir zum stadtstrand (in lomé liegt die stadt tatsächlich am strand!!), und ruhten uns ein bisschen mit frischgepresstem orangensaft im schatten der plamen aus. dummerweise hatte ich mir eingebildet, nach drei monaten afrika keine sonnencreme mehr zu benötigen... weit gefehlt, schon mittags zeichneten sich verdammt krebsrote flächen auf meiner haut ab... von meinem gesicht wohl nicht zu sprechen, aber das konnte ich ja nicht sehen. nachdem also die größte hitz vorbei war, machten wir uns wieder in die stadt auf, vorbei an hotels und kinos (ahhh, die haben sogar kinos) und einmal quer durch den markt. der ist mindestens genauso chaotisch wie der in cotonou, gleiches sortiment, gleiche hitze, also kein grund für neid ;) dort charterten wir dann ein taxi, dass uns zu einem badestrand stadtauswärts bringen sollte (sämtliche anderen pläne aufgegeben, wg hitze). dort verlebten wir ein paar entspannte stunden, mandy entdeckte, dass papayas doch nicht nur nach gemüse schmecken und ich bin seit dem begeisterter fan der grünen orangen. am abend gab es wieder essen bei fovi, und danach noch ein "straßenkonzert", das eigentlich zur promotion einer neuen bar aufgebeut worden war. ostersonntag teilte sich in ausschlafen (für mich) und messer (für mandy). beides fand parallel statt, weil die messe schon um 7:00 anfing und gut 3 stunden dauerte. ich muss sagen, mein bedauern, nicht hingegangen zu sein, hielt sich in grenzen. der rest des tages bestand in essen, ausruhen und am abend eine tanzveranstaltung ansehen (da gibt es tanzgruppen in jedem quartier und die machen das wohl sehr regelmäßig, dass sie auftreten; und jede gruppe, hat so ihren eigenen tanz; aber wer da mehr wissen will, fragt besser mandy, die hat da nämlich ahnung von). plötzlich war auch schon wieder montag und ich machte mich auf die rückreise. ein taxi wurde schnell gefunden, die fahrt wurde von unzähligen stops und sachen einladen unterbrochen und der fahrer hielt sich an die übliche beladung, fünf leute hinten und ich in der mitte... schonmal jemand einen krampf im fuß gehabt, und sich dann nicht bewegen können? nun ja, grenze ging bisschen einfacher, brauchte ja nur die aus- und dann wieder einreisestempel. allerdings musste ich wieder den selben zettel wie auf dem hinweg ausfüllen (auf beniner seite) und der mensch war echt ungehalten, als ich ihn nicht versand... nerv... gegen 16h kam ich dann in cotonou an, der fahrer, seineszeichens beniner, kannte sich nicht aus, so kam es, dass ich am falschen ende des boulevard st.michel ausgesetzt wurde und die "kurze" strecke, in einer stunde zurück lief. leider hatten die einkaufsmöglichkeiten, die ich unterwegs erhoffte, zu, so dass mein laufen einfach gar keinen sinn hatte, ich aber gegen ende dann auch zu stur war, noch ein zem zu nehmen. bewegung ist schließlich gesund (mit sonnenbrand und wunden füßen).
wenn ich ein fazit ziehen würde, dann wohl dieses, dass ich nach drei monaten endlich mal in afrika war. ja, cotonou ist auch afrika, aber den teil, den ich davon sehe, kann man eben auch in einer europäischen großstadt finden. wenn ich nicht ab- und zu mal strom- und wasserausfall haben würde, würde ich es wahrscheinlich gänzlich vergessen. bis jetzt lebe ich ein priviligiertes, touristisches, abgehobenes leben, mit allem komfort den man so haben kann. im vergleich zu einigen kollegen und anderen yovos fühle ich mich immer noch wahnsinnig angepasst an die lokalen bedingungen, aber eigentlich ist das sehr scheinheilig. von lomé wieder auf den afrikanischen boden der tatsachen gebracht, kam mir dann in den sinn, dass ein großteil der afrikanischen bevölkerung noch unter viel "schlimmeren" bedingungen als die familie in lomé wohnt, denn die haben den vorteil eines eigen brunnens und somit zugang zu wasser. heute sitze ich dann wieder an meinem schreibtisch und mache mir gedanken, wie man die ländliche wasserversorgung in benin mit sozialwissenschaftlichen methoden erheben kann... dabei wird es dann kategorien wie "entfernung zur nächsten wasserquelle", "täglicher zeitaufwand fürs wasserholen" oder "art der quelle (wenn es keinen brunnen gibt, dann greift man eben auf ein marigot, eine natürliche quelle/teich/tümpel zurück)" geben... irgendwie eine andere welt, und irgendwie unvorstellbar, dass wir von unseren klimatisierten büros aus uns als experten geben...
gesagt getan, mit gehöriger zeitverzögerung starteten wir freitag gegen halb zwei in cotonou. der feiertagsverkehr war leider schon da und so dauerte es, bis wir aus der stadt herauskamen. neben dem geburtstag von mohammed war auch noch karfreitag, und unzählige menschen formierten sich in kreuzzügen, äh kreuzwegen und blockierten mit ihrem aufmarsch (lautsprecher...) die straßen. nun gut, das alles hinter uns gelassen, befanden wir uns auf der straße richtung grenze... keine 10km gefahren bemerkte meine kollegin plötzlich, dass die bremsen blockieren und da sie kein gutes gefühl hatte, hielten wir an der nächsten möglichkeit und riefen den mechaniker an. der versprach dann auch "gleich" zu kommen, er sei quasi auf dem weg, und wir setzten uns in eine kleine buvette und warteten. zwei stunden später tauchte der gute mensch dann auf, fuhr eine dreiviertel stunde um den block und hatte schließlich das problem behoben (meine zwischenzeitlichen fragen, ob es nicht besser sei, ich würde von hier schon das taxi nehmen, wurden ausgeschlagen, es sei ja noch genug zeit). auto repariert, obligatorisches sucerie getrunken, und schon ging es weiter.. mittlerweile kurz vor 17h. man bedenke, noch 2 stunden bis dunkelheit, und dunkelheit ist verboten, also fahren in der dunkelheit und außerhalb der großen ortschaften. in comé angekommen, war leider kein taxi da, und alle die vorbeibrausten waren voll. normalerweise ist ja voll nicht gleich voll. also die normalen taxis sind hier einfache personenwagen, meisten älteren baujahres, wo bei uns hinten drei leute sitzen, sitzen hier auch schonmal 5 und vorne eben 3 (in der mitte liegt extra ein zusammengefaltetes stück stoff). leider hatten wir die halbe stunde der korrekten fahrere erwischt, die hatten hinten nur drei leute sitzen (also locker noch platz für mich), bestanden aber auf die einhaltung der verkehrsregeln... glücklicherweise stieg zufällig einer bei uns aus, und ich konnte hinein. es fing schon an zu dämmern, als wir richtung grenze brausten. dort musste ich mich erst der beninischen seite stellen, die unglaubliche 20min brauchte, um mir einen ausreisestempel zu geben. neben sämtlichen angaben, warum, wieso, wo, wie lange ich nach togo wolle, und warum ich denn verheiratet sei (habe so nen netten ring auf dem markt in cotonou erstanden, wirkt erstaunlich gut), in meinem pass aber keine kinder eingetragen seien... bekam ich den stempel (=tampon (ich unwissend "nein, brauche ich nicht...")) reingeknallt und konnte meinen marsch zur togoischen immigration fortsetzen, wo ich viel größere hürden erwartete. dort wurde ich aber vergleichsweise freundlich empfangen, und ich durfte ein aufgebot an bürokratie erleben. neben einem großen stempel bekam ich noch eine briefmarke und zwei kleine stempel nicht sehr liebevoll hineingeklatscht. ich musste ein großes formblatt (namen der eltern, adressen...) ausfüllen und zweimal irgendwas unterschreiben. schließlich galt das visum für sieben tage, womit sich meine größte sorge, ich könne mich für einen tag illegal im land auf halten, erledigt hatte. beim rausgehen sah ich noch einen großen teller, der voller stempel war... das scheint hier eine echte leidenschaft zu sein (naja, selbst in der apotheke stempeln sie einem jedes medikament einzeln mit "payé" ab), und ich will gar nicht wissen, was man sich sonst noch so alles in diesem büro erstempeln lassen kann.
mittlerweile schon ziemlich dämmrig fuhren wir von der grenze weg. leider gleich in einen stau, der mir immerhin ermöglichte, den mikrokosmos grenzgebiet zu betrachten. auf beiden seiten haben sich unzählige fliegende und stehende händler angesiedelt, von autoteilen, über voodoo-talismane bis geröstete schweineköpfe (essen, kein talisman) konnte man alles bekommen, bzw. vom fenster aus ordern. diese drive-in mentalität ist eigentlich ein extra eintrag wert... mal sehen.
die ersten eindrücke waren überwältigend. man fuhr über eine art brücke in die bucht von aneho rein und sah das meer und lange sandstrände mit palmen... dazu untergehende sonne. schön kitschig. leider hatte mein sitznachbar mich in ein "wenn man nach afrika kommt, sieht man doch nur die armut"-gespräch verwickelt, wo ich ihm in diesem moment nur wiedersprechen konnte, denn die landschaft war einfach zu schön. habe dann versucht, ihm was von nachhaltigem tourismus zu erzählen, wollte aber nicht so gut klappen. die letzte stunde fuhren wir in dunkelheit (ja, verboten, ich weiß), und irgendwann kamen wir in lomé an, wo mich mandy und fovi schon erwarteten. wir kletterten dann als bald auf zems und fuhren zu fovis familie. er wohnt in einem hof, zusammen mit ca. 25 anderen leuten, mit denen er auch meistens irgendwie verwandt ist. also in der mitte ist ein großer sandplatz und ein brunnen und drumherum gibt es verschiedene hütten/zimmer. wir wurden sehr herzlich begrüßt, zu meinem leidwesen auf ewe, der lokalen sprache im süden togos. mandy kann diese komplizierte sprache schon echt gut (für mich hörte sich alles wie eine mischung aus chinesisch und russisch an) und übersetzte mir dankenswerterweise. wir aßen zusammen (wow, bei den familien wird mal so richtig scharf gekocht.. kein vergleich zu der kantine in cotonou), quatschten und machten uns dann später auf zu mandy, die ein paar straßen weiter wohnte. nach erfolgreicher installation des moskitonetzes gingen wir zu viert noch eine cola trinken und quatschten viel über politik und afrika und deutschland. todmüde fielen wir irgendwann ins bett (ach ja, es ist dort ja auch zeitverschiebung, also für mich immer gefühlt eine stunde später) und plauderten noch bis wir irgendwann einschliefen. am morgen holte mandy dann mit ziemlichem geschick (ich wusste tatsächlich nicht, dass es eine spezielle technik dafür gibt) wasser aus dem brunnen, damit wir die toilette spülen und uns waschen konnten. nach einem schnellen frühstück auf der veranda (lekker avocado-mayo-baguette) machten wir uns auf nach lomé-central... bisschen sight-seeing. an einem sehr menschenleerem platz fanden wir die unabhängigkeitsstatue und ein ziemlich hässliches hotel. menschenleer, weil es verdammt heiß (wolkenloser himmel) war, häßliches hotel, keine ahnung warum. von dort aus liefen wir zum stadtstrand (in lomé liegt die stadt tatsächlich am strand!!), und ruhten uns ein bisschen mit frischgepresstem orangensaft im schatten der plamen aus. dummerweise hatte ich mir eingebildet, nach drei monaten afrika keine sonnencreme mehr zu benötigen... weit gefehlt, schon mittags zeichneten sich verdammt krebsrote flächen auf meiner haut ab... von meinem gesicht wohl nicht zu sprechen, aber das konnte ich ja nicht sehen. nachdem also die größte hitz vorbei war, machten wir uns wieder in die stadt auf, vorbei an hotels und kinos (ahhh, die haben sogar kinos) und einmal quer durch den markt. der ist mindestens genauso chaotisch wie der in cotonou, gleiches sortiment, gleiche hitze, also kein grund für neid ;) dort charterten wir dann ein taxi, dass uns zu einem badestrand stadtauswärts bringen sollte (sämtliche anderen pläne aufgegeben, wg hitze). dort verlebten wir ein paar entspannte stunden, mandy entdeckte, dass papayas doch nicht nur nach gemüse schmecken und ich bin seit dem begeisterter fan der grünen orangen. am abend gab es wieder essen bei fovi, und danach noch ein "straßenkonzert", das eigentlich zur promotion einer neuen bar aufgebeut worden war. ostersonntag teilte sich in ausschlafen (für mich) und messer (für mandy). beides fand parallel statt, weil die messe schon um 7:00 anfing und gut 3 stunden dauerte. ich muss sagen, mein bedauern, nicht hingegangen zu sein, hielt sich in grenzen. der rest des tages bestand in essen, ausruhen und am abend eine tanzveranstaltung ansehen (da gibt es tanzgruppen in jedem quartier und die machen das wohl sehr regelmäßig, dass sie auftreten; und jede gruppe, hat so ihren eigenen tanz; aber wer da mehr wissen will, fragt besser mandy, die hat da nämlich ahnung von). plötzlich war auch schon wieder montag und ich machte mich auf die rückreise. ein taxi wurde schnell gefunden, die fahrt wurde von unzähligen stops und sachen einladen unterbrochen und der fahrer hielt sich an die übliche beladung, fünf leute hinten und ich in der mitte... schonmal jemand einen krampf im fuß gehabt, und sich dann nicht bewegen können? nun ja, grenze ging bisschen einfacher, brauchte ja nur die aus- und dann wieder einreisestempel. allerdings musste ich wieder den selben zettel wie auf dem hinweg ausfüllen (auf beniner seite) und der mensch war echt ungehalten, als ich ihn nicht versand... nerv... gegen 16h kam ich dann in cotonou an, der fahrer, seineszeichens beniner, kannte sich nicht aus, so kam es, dass ich am falschen ende des boulevard st.michel ausgesetzt wurde und die "kurze" strecke, in einer stunde zurück lief. leider hatten die einkaufsmöglichkeiten, die ich unterwegs erhoffte, zu, so dass mein laufen einfach gar keinen sinn hatte, ich aber gegen ende dann auch zu stur war, noch ein zem zu nehmen. bewegung ist schließlich gesund (mit sonnenbrand und wunden füßen).
wenn ich ein fazit ziehen würde, dann wohl dieses, dass ich nach drei monaten endlich mal in afrika war. ja, cotonou ist auch afrika, aber den teil, den ich davon sehe, kann man eben auch in einer europäischen großstadt finden. wenn ich nicht ab- und zu mal strom- und wasserausfall haben würde, würde ich es wahrscheinlich gänzlich vergessen. bis jetzt lebe ich ein priviligiertes, touristisches, abgehobenes leben, mit allem komfort den man so haben kann. im vergleich zu einigen kollegen und anderen yovos fühle ich mich immer noch wahnsinnig angepasst an die lokalen bedingungen, aber eigentlich ist das sehr scheinheilig. von lomé wieder auf den afrikanischen boden der tatsachen gebracht, kam mir dann in den sinn, dass ein großteil der afrikanischen bevölkerung noch unter viel "schlimmeren" bedingungen als die familie in lomé wohnt, denn die haben den vorteil eines eigen brunnens und somit zugang zu wasser. heute sitze ich dann wieder an meinem schreibtisch und mache mir gedanken, wie man die ländliche wasserversorgung in benin mit sozialwissenschaftlichen methoden erheben kann... dabei wird es dann kategorien wie "entfernung zur nächsten wasserquelle", "täglicher zeitaufwand fürs wasserholen" oder "art der quelle (wenn es keinen brunnen gibt, dann greift man eben auf ein marigot, eine natürliche quelle/teich/tümpel zurück)" geben... irgendwie eine andere welt, und irgendwie unvorstellbar, dass wir von unseren klimatisierten büros aus uns als experten geben...
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