... dann kann man es einfach machen, oder damit drohen, dass man sonst gehen würde, und zwar ohne mit der wimper zu zucken, oder man schlägt es erstmal vor und schreibt einen antrag auf versetzung.
ich habe mich für letztere möglichkeit, weil mir meine stelle nicht so sehr zusagte (kennt das jemand, wenn er sich nicht ausgelastet fühlt? also so gar nicht?), entschieden, auch wenn ich mir dachte, dass ich mich damit in die mühlen der bürokratie dieser struktur begeben würde. und so war es dann auch. gespräche, antrag schreiben, antrag abgeben, warten, warten, gespräch mit mittlerer entscheidungsinstanz, warten, warten, gespräch mit oberster instanz, nachdenken, warten, gespräch mit mittlerer instanz, einsehen (oder auch nicht). antrag zurück nehmen, neue ausrichtung der alten stelle machen. es würde zu weit führen, wenn ich die genauen hintergründe meines tuns hier erkläre, aber ja, der stein wurde angestoßen und er rollte und rollte... und jetzt bin ich zwar auch um keine neue stelle reicher, aber um eine modifizierte alte, immerhin.
und wie kann man sich diese vorstellen? also von der grundsätzlichen problematik, dass vielleicht viele nicht verstehen, was ich hier überhaupt jemals wollte, ja was ich überhaupt studiert habe, ja was das alles soll... mal abgesehen, kann ich es ja mal versuchen zu erklären. vor meiner zeit in benin herrschte das chaos, die buchstäbliche flut. unzählige geber machen was sie wollen, investieren wo sie wollen und arbeiten zusammen mit wem sie wollen. wenn sie pech haben, stellen sie eines tages fest, dass im gleichen departement, bezirk oder gar dorf eine andere organisation schon was ähnliches oder vielleicht exakt das gleiche macht. mhm. blöd. wenn das mal rauskommt. schlecht. also wurde überlegt, es wäre doch toll, wenn es jemanden gäbe, der in einem bestimmten bereich mal erheben kann, wer eigentlich was macht. und wo. und mit wem. kurzum, sie wählten mich für diese stelle aus. gesagt getan, vorbereitung, ausreise. irgendwann in dieser zeit fand eine sitzung aller oberen etagen statt, wo man sich einigte, das nun selber zu machen. also das absprechen, das überhaupt sprechen. mhm. schön. gut. nur leider meine aufgabe futsch.
wie das so ist, dauert alles sehr lange, auch der tritt in den eigenen hintern, um etwas zu ändern. das habe ich dann aber mal getan und es war gar nicht so schlimm. und jetzt mache ich folgendes:
ich erhebe die wahrnehmung junger beniner in bezug auf armut... aha, mag der ein oder andere denken. das ganze ist vorarbeit für spätere ded-stellen, denn es soll viel mehr im bereich "jugendliche" gemacht werden, denn, aufgemerkt, in ein paar jahren wird der großteil der bevölkerung "jugendlich" sein. und darauf muss man ja vorbereitet sein.
ich suche mir also ein paar jugendgruppen, in cotonou, in porto-novo, im departement couffo und rede mit denen über armut. weil das aber gar nicht so einfach ist, also ich mir zumindest einige schwierigkeiten vorstellen kann, dürfte das einiges an vorarbeit erfordern. themenabende, diskussionsrunden, gruppenstunden... und wenn wir uns dann alle mal ausgetauscht haben, was wir denken, was und wer arm ist, dann überlegen wir uns, was man dagegen machen kann. und natürlich, wie man jugendliche und deren bedürfnisse besser in die nationalen armutsbekämpfungsstrategien einbinden kann (das musste rein...) und dann sehen wir (oder auch nur ich) zu, dass das ganze in eine ordentliche form gebracht wird, einen bericht oder so. und den bekommt dann das ministerium. oder zumindest das jugendparlament, von dem ich bis dato nicht weiß, ob es überhaupt außerhalb des papiers existiert.
wer jetzt immer noch findet, dass das ja alles ganz nett, aber bisschen unnötig ist, der darf das gerne weiter denken. vielleicht habe ich ja auch nicht überzeugend genug geschrieben. aber ich finde das gut. klar, da ist nachher kein brunnen, der paar jahre später wieder kaputt ist, sondern nur so ein bericht, den vielleicht keiner liest, in dem die eindrücke, die noch nicht mal repräsentativ sind, von ein paar jugendlichen gesammelt wurden. aber ich bin ja nunmal im bereich des "Appui à la societé civil", also stärkung der zivil-gesellschaft. und wo könnte man besser anfangen als bei jugendlichen? in einem land, wo das schulsystem so gar nicht zum selber denken anregt, und jugendliche bis zu einem alter von 35 als solche bezeichnet werden, ist es nicht unerheblich, ihre eigene, individuelle position zu stärken. und wenn es nur dadurch ist, ihnen gehör und aufmerksamkeit zu verschaffen und das, was sie sagen, ernst zu nehmen. so. und jetzt komm mir keiner mit steuergeldern und so, die verbrate ich bestimmt nicht. meine finanziellen ressourcen sind mein gehalt und vielleicht papier und stifte. verbraten tun andere. aber da will ich mal nicht ausholen.
und ich freu mich, auf das was da kommen mag. und was ich erleben werde. und vielleicht habt ihr auch glück, und ich schreib hier auch mal was davon rein. nette kleine geschichten, von netten leuten, so nett, dass sie dann bestimmt auch mit foto in den ded-brief kommen... mal sehen. ich habe andere ziele.
zum besipiel mal tourist sein. am donnerstag geht es los. um 6h zum bus, dann 10 - 14 h fahrt nach tanguieta ganz in den norden... und dann in den pendjari parc... und vielleicht eine echte safari. wow, erste richtige safari in afrika. ich bin gespannt. und noch gespannter bin ich, ob ich da überhaupt ankommen werde... naja wenn nicht, das ziel ist ja bekanntlich der weg
Montag, 28. April 2008
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