Freitag, 18. Januar 2008

Alles Voodoo oder was?

In dem Land, in dem die Wiege des Voodoo stehen soll (habe ich noch nicht gesehen), und an die 90% der Bevoelkerung sich irgendwie dem Voodoo zugehoerig fuehlen, gibt es einen eingetragenen Voodoo - Staatsfeiertag (welcher, man munkelt, von dem vorherigen Praesidenten eingetragen wurde, um sein Wahlergebniss zu verbessern, was aber dann nicht geklappt hat, und welcher vom jetzigen Praesidenten aus aehnlichen Gruenden nicht mehr abgeschafft werden kann....)...
Wie dem auch sei, am diesjaehrigen 10. Januar trafen sich -entgegen erster Fehlinformationen- in Porto Novo (und nicht Ouidah) gut mehrere Tausend Menschen, darunter auch der Praesident, Minister, Wuerdentraeger (habe ich a) nicht gesehen oder b) nicht erkannt) und ganz viel Volk (oft in tatsaechlich vermuteter bunter maskerade) sowie eine ueberschaubare anzahl yovos (junge amerikaner (peace corps??) in traditioneller beninischer kleidung und einer wahnsinns film- und foto ausruestung; viele aeltere unmoeglich angezogene frauen und unsere illustre ViP-Gruppe im Schlepptau von Therese Isseki, einer Journalistin, die fuer eine pan-afrikanische presseagentur mit sitz in dakar arbeitet und unsere landeskunde-lehrerin fuer die ersten tage war)...
Auf einem Areal von bestimmt 3 Fussballplaetzen waren grosse Teile mit Pavillions bedeckt, unter denen auf Plastikstuehlen die ca. 20 angereisten Koenigsfamilien sassen. Praktischer weise hatten sie sich alle gleich oder zumindest aehnlich angezogen, bzw. sassen eh gesammelt um ihr heiligtum herum.... jede Familie hat naemlich seine eigene kleine gottheit mitgebracht (in holz, kann man sich wie eine marien-statue vorstellen, nur eben in afrikanisch), die ganz am ende-will ja nichts vorwegnehmen- in einer prozzession durch das Gelaende getragen wurde.
Durch dieses ziemlich chaotisch anmutende Getuemmel, jeder schien seine eigene Party zu machen und bracht sich schon morgens um 11 dank spiritueller Kraefte oder Sodabi in einen Trance-aehnlichen Zustand, bahnten wir uns unseren Weg und fanden irgendwann dankbar ein paar unbesetzte plastikstuehle, von denen aus wir das treiben beobachteten, wasser aus plastiktueten tranken, getrocknetes obst aus plasticktueten probierten und uns gedanken ueber plastikindustrie machten... (wenn Bénin Plastik selber herstellen wuerde, waere es reich, zumindest gemessen an dem Plastik, dass schon in Bénin kursiert... leider kommt aber alles aus China oder Nigeria...)
Die Festivitaeten wollten kein Ende nehmen, zumindest hatte es den anschein, denn die ansagen in den megaphonen konnte ich nicht verstehen, so wie wahrscheinlich jeder, da der laermpegel saemtliche unterhaltung unmoeglich machte. Nach gut 3 Stunden nach Beginn gab es dann eine Parade, in der alle Familien mit ihrem Heiligtum und ihren Masken (kann es net beschreiben, muss mal ein foto suchen... sieht irre komisch aus und waere der traum eines jeden karnevalisten, herje, was bin ich kultursensibel...) an den Tribuenen der Wuerdentraeger vorbeischritten/tanzten/sangen...
Ziemlich ploetzlich loeste sich der ganz spuk auf und alles stroemte in Richtung Parkplatz, wenn er mit dem Auto gekommen war, oder setzte sich zu fuss in bewegung.... so schoben sich dann die Koenige in ihren alten, staubigen mercedes durch die massen des fussvolks... ein schoenes bild...
alles in allem erinnerte mich die veranstaltung an ein riesiges volksfest, ueberall gab es essen und trinken, die leute tanzten und sangen, man sah und wurde gesehen, musste nicht arbeiten und hatte einfach einen heiden spass.... in wiefern das noch mit dem traditionellen Voodoo-Festen zu vergleichen ist, weiss ich nicht.... aber ich denke, dass die kleineren feste, die an diesem tag ueberall im land waren, vielleicht ein bisschen schoener und urspruenglicher gewesen sind... Porto Novo war auch Benin, so wie es eben heute sein moechte... ein bisschen moderne kann man da wohl nicht verbieten ;)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hi Jule,
schön hier immer mal was von Dir zu lesen, Alles Liebe Sanne