Dienstag, 8. Januar 2008

Bonne Année...

Hallo zusammen,
ich wünsche euch allen, ein kleines bisschen verspätet, ein gutes und erfolgreiches Jahr 2008! Dank einer klitzekleinen Arbeitsflaute habe ich seit weihnachten zwei sehr schöne und entspannte Wochen verbracht, in denen ich Cotonou und auch ein bisschen das, was in der näheren Umgebung ist, erkundet habe. Die Durchschnittstemperaturen haben sich nicht wirklich verändert, allerdings könnte man behaupten, es ist ein bisschen frisch geworden... zumindest morgens. und dem staub, der sich einfach überall niederlässt, nach zu urteilen, ist hier tatsächlich der harmattan (wind, der aus der sahara kommt und für viele wolken, kopfschmerzen und eben staub, verantwortlich ist) angekommen, was gleichzeitig die "kälteste" jahreszeit einläutet... nebenbei, die klima in diesem büro läuft auf 26° und ich habe kalte füsse...

Die Ausmasse der Stadt habe ich noch nicht wirklich erfasst, sie wuchert an allen Ecken und Enden, es gibt eigentlich kein wirkliches Stadtzentrum, nur bestimmte Strassen, die bestimmte Läden haben, aber auch hier ohne einleuchtendes System (Rue de Libanaise= Strasse mit Geschäften von Libanesen= Geschäfte mit Stoffen)... möglicherweise ist aber auch mir das System einfach noch nicht aufgefallen. Bei den ersten Fahrten mit Kollegen konnte ich mir einfach gar nichts merken, plötzlich hatten sich die Himmelsrichtungen aufgelöst (weil keine mir ersichtlichen Orientierungspunkte, und Sonne hinter Wolken) und eigentlich sah jede Kreuzung gleich aus... dann haben wir aber in den letzten Wochen angefangen, die Stadt ein bisschen zu Fuss zu erkunden, was eine der besten Ideen war.

Auf einer dieser Wanderungen sind wir zum Dantopka Markt (angeblich grösster Markt Westafrikas) gelangt, der leider dahingehend eine Enttäuschng war, dass es dort alles gibt, was es auch auf sehr viel kleineren Märkten gibt. Auf unserer Jagd nach Isolierpötten (soll es günstiger in Cotonou geben, weil der China-Plastik-Kram gleich am Hafen ankommt, anstatt noch nach Norden transportiert zu werden) und Handtüchern (wieso gibt es Tausende von Stoffläden aber keine Handtücher???) irrten wir gefühlte Stunden durch die Nachmittagshitze und -Schwühle der kleinen Gassen, die von grossen Handkarren, Mopeds, Kindern, Kunden und vor allem VerkäuferInnen (die in einer Schüssel auf ihrem Kopf die Warenvielfalt der einzelnen Shops hatten) bevölkert waren. Ich glaube, man kann da eigentlich alles bekommen, wenn man nur weiss wo. Irgendwann waren wir in der Mitte des Marktes angekommen, wo ein grosses Gebäude ist, in dem es auf drei Etagen wiederum Stoffe, Schmuck und vor allem schrecklich hässliche Plastik-Handtaschen, gibt. Gott-sei-dank war der Ausgang schneller gefunden als der Eingang, und man fand sich in der "lebensmittel"-abteilung wieder. In der Nähe der Lagune gelegen, türmten sich auf diesen Ständen vor allem Fische und anderes riechendes und scheinbar schnell verderbliches auf... und so stolperten wir weiter, diesmal irgendwie richtung nordwesten, in dem versuch, den markt zu durchqueren und einen wirklichen ausgang zu finden... vorbei an kanälen, in denen vielleicht in der regenzeit wasser zur lagune fliesst, jetzt aber leider nur ein schwarzer schmodder steht, unzähligen weiteren Ständen, Menschen, Karren... irgendwie sind wir da wohl auch wieder heraus gekommen, und haben uns auf den Heimweg gemacht... ergebnis: ein handtuch, ein liter cola und das gefühl, an einem marathon teilgenommen zu haben.

Silvester kann relativ kurz abgehandelt werden: Party am Strand, bei einem Aussteiger-Franzosen, der seine ganzen Franzosen-Freunde und die restliche EZ/Yovo-Gemeinde eingeladen hatte... Bisschen surreal und komisch, aber der Strand ist hier ja sehr gross und so konnte man sich auch einen Platz suchen, wo man eher weniger von der schlechten Musikauswahl mitbekommen hat und stattdessen dem Rauschen des Meeres lauschte...

Am letzten Wochenende haben wir dann dochmal den Touristen raushängen lassen, was für zwei Tage auch echt okay war.
Samstag sind wir nach Porto Novo gefahren, der eigentlichen Hauptstadt, die gut 45 Auto-min von Cotonou entfernt ist. Diese Stadt ist auf eine heruntergekommene Art einfach wunderschön und so viel entspannter als Cotonou... wir waren im ethnographischen Museeum, einem alten Kolonialgebäude mit interessanten Ausstellungsstücken, die den Bereichen "Geburt", "Leben" und "Tod" zugeordnet waren.
Danach sind wir ein bisschen raus in die "campagne" gefahren, rote Böden, tropische Vegetation, kleine Tante-Emma-Lädchen, überall Tiere... überraschende ähnlichkeit mit Kenia und der aufkeimende Wunsch, doch lieber hier zu arbeiten, als in der Stadt... dass sich meine romantisch-verklärte sichtweise wahrscheinlich sehr schnell relativieren würde, wollte ich mir nicht direkt eingestehen, liess mich aber nach einer lustigen taxi-brousse-fahrt (ich sitze mit drei wirklichen grand-popos (=mama benz) in der letzten reihe eines japanischen kleinbusses, als während der fahrt, die rückenlehne leicht nachgibt und die damen zum fahrer krakeelen, die yovo hätte den sitz kaputt gemacht....) auf den afrikanischen boden der tatsache zurück bringen, und innerlich nach einem ausbau der sicheheitsbestimmungen für den maroden öffentlichen nahverkehr verlangen.
Sonntag folgt dann das richtige Touristen-Highlight, eine Fahrt nach Ganviè, einem Pfahldorf in dem See nördlich von Cotonou... Da leben 30 000 Menschen in Hütten, die über das Wasser gebaut sind, die man nur über kleine Piroguen erreichen kann... genau so eine charterten wir uns dann auch (ganz spontan hat irgendeine Regierungsinstanz einen kleinen Schalter dort aufgemacht, wo eine Tafel mit allen Preiskombinationen (Anzahl der Leute / Art der Boote) steht). Wir haben uns dann zu viert für eine nicht motorisierte Pirogue entschieden, die natürlich obligatorische Löcher hatte, so dass von Zeit zu Zeit das Wasser mit hilfe eines alten Plastiktellers herausgeschöpft werden musste. Als wir dann in dem Dorf angekommen waren, wurden wir auf bestimmten wasserwegen durchgefahren, die -rein zufällig- an den drei souvenir-shops vorbei kamen, vor denen auch schon eine kleine anzahl bettel-kinder positioniert war (donne-moi cent franc...)... das war mir irgendwie zu abgekartert, und so verweigerte ich mich dem unterschwelligen kaufzwang (mal ganz davon abgesehen, dass eine 2m holz-giraffe unser schifflein bestimmt zum untergang verdammt hätte).
den nachmittag verbrachten wir am wunderschönen strand, mit lekker essen, lesen, kokosnüssen und grossen wellen... eigentlich hatte ich die warnungen des auswärtigen amtes bezüglich der gefährlichen Strömungen für übertrieben gehalten (so, wie da eigentlich immer alles übertrieben ist...), aber nachdem ich innerhalb von wenigen minuten gegen meinen willen die meiste zeit unter-wasser verbracht hatte musste ich meine meinung doch ein bisschen relativieren.... wusstet ihr, dass man sich im meer schürfwunden holen kann?? Ist aber eigentlich halb so schlimm wie es sich anhört und eigentlich ist es sogar ziemlich total super, wenn man mal seine angst vor der schäumenden gischt und dem krassen sog überwunden hat ;))

Jetzt sitze ich also hier im Büro, und habe scheinbar nichts zu tun, denn sonst hätte ich ja nicht sooo viel schreiben können... naja, da ist was dran ;) meine Vorbereitung im Partnerland (ViP) geht erst morgen los, aber dann so richtig. Mit Programm, mit Plan, mit festen Zeiten. Am Donnerstag geht es nach Ouidah, wo das jährliche Voodoo-Festival stattfindet, ich bin gespannt, da ich irgendwie einen von touristen überlaufenen Platz vor augen habe, auf dem arme leute dafür bezahlt werden, in bunten kostümen exotische tänze vorzuführen... ich hoffe, ich finde noch gescheite literatur, die mir den wahren grund des festes erklärt, der Lonely Planet scheint mir da keine verlässliche Quelle zu sein....
Alors, à bientôt

1 Kommentar:

waldemaren hat gesagt…

hallo jule,
das ging ja schnell! freut mich sehr von dir zu hören!!! ich will aber auch mal fotos sehen, wenn das geht. und sollte es wahr sein, dass im büro nix zu tun ist, dann schieb doch beizeiten mal den usb-stab in die entsprechende öffnung...
erstmal liebe grüße und bis bald im www,
maren